Katharina Schrade vor ihrer Festspiel-Premiere

„Ich bin eine andere Maria“

Ab morgen abend dürfen sie auf der Bühne der Stiftsruine wieder klettern, die Gang-Mitglieder der „Jets“ und der „Sharks“ in der „West Side Story“. Fotos: Hartmann/Schönholtz

Bad Hersfeld. Wenn morgen abend bei den Bad Hersfelder Festspielen die Wiederaufnahme der „West Side Story“ über die Bühne der Stiftsruine geht, dann wird nicht alles so sein wie im vergangenen Jahr: Mit Katharina Schrade hat die gefeierte Inszenierung von Regisseur Matthias Davids eine neue Maria bekommen.

Die Umbesetzung der weiblichen Hauptrolle war nicht geplant, doch Leah Delos Santos hatte für diese Spielzeit bei den Freilichtspielen in Tecklenburg unterschrieben, wo auch ihr Lebensgefährte Yngve Gasoy Romdal auftritt.

Mit Katharina Schrade hat Bad Hersfeld allerdings nicht nur einen adäquaten Ersatz gefunden, sondern der Tony-Darsteller Christian Alexander Müller auch seine eigentliche Maria: In Kiel und Chemnitz haben beide schon zusammen gespielt.

Für die 25-jährige Leipzigerin war der Einstieg in die fertige Festspiel-Produktion in Bad Hersfeld dennoch kein Selbstläufer. „Matthias Davids hatte ganz konkrete Vorstellungen. Das umzusetzen, war schon richtig Arbeit,“ erzählt sie von der kurzen Probenzeit für die Wiederaufnahme. Zwar hatte sich Katharina Schrade zur Vorbereitung ein Video der Aufführung anschauen können, doch das habe ja „nur das Ende gezeigt, nicht den Weg dorthin.“

Denn die Hersfelder Maria , so hat Schrade erkannt, entspricht nicht dem Klischee. „Hier geht es auch um die Psychologie hinter der Rolle. Es muss herauskommen, dass Maria aus Puerto Rico kommt und dass sie schon eine starke Frau ist,“ beschreibt sie den Anspruch des Regisseurs und fügt hinzu: „Das Verrückte ist: Eigentlich steht alles im Text, man muss es bloß suchen und finden.“

„Sieht mich da überhaupt jemand?“

Katharina Schrade bei ihrer ersten Begegnung mit der Stiftsruine

Trotz der Vorgaben ist sich „die Neue“ allerdings sicher, dass morgen in der Stiftsruine eine ganz andere Maria singen und tanzen wird als im Vorjahr. „Ich bin größer als Leah und bewege mich ganz anders, ich bin ein ganz anderer Typ,“ sagt Schrade,, die ihrer Hersfeld-Premiere entgegen fiebert.

Denn die Stiftsruine hat sie bislang nur von außen und im Winter gekannt. Umso beeindruckender war in der vergangenen Woche ihre erste Begegnung mit dem riesigen Inneren. „Sieht mich da überhaupt jemand?“, hat sie sich angesichts der Dimensionen von Bühne und Zuschauerraum etwas eingeschüchtert gefragt und war nach dem Besuch einer „Carmen“-Aufführung mächtig erleichtert, dass die Stiftsruine als Theaterraum bestens funktioniert. „Es ist toll, dass ein so altes Gemäuer eine so schöne, natürliche Form zum Theaterspielen hat, hier muss nicht geschummelt werden,“ meint Schrade.

In Bad Hersfeld ist die momentan in Berlin lebende Studentin (Klassischer Gesang) bestens aufgenommen worden. Sie wohnt privat „bei einer sehr netten älteren Dame“ und schätzt nach dem ständigen „Flimmern“ der Großstadt die Ruhe der Provinz.

Auch nach ihrem Hersfelder Gastspiel muss sie nicht gleich wieder in die hektische Hauptstadt zurück: Italien heißt Schrades nächstes Ziel. Dort will sie einen Monat lang ihre bereits vorhandenen Kenntnisse der Landessprache vertiefen – auch das im Hinblick auf eine Karriere als Opernsängerin. Morgen Abend ist jedoch erst einmal ihr Englisch gefragt, wenn es heißt: „I feel pretty, oh so pretty...“

Hintergrund

Für die morgige Premiere der Wiederaufnahme (Beginn 21 Uhr) gibt es noch Restkarten an der Abendkasse. Bis zum 7. August stehen elf weitere Aufführungen auf dem Spielplan. Hierfür gibt es noch Tickets in allen Preiskategorien. Kontakt: Telefon 06621/201-360.

Von Karl Schönholtz

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