Wochenend-Porträt: Ulrich Hornstein ist neuer Geschäftsführer des HKZs in Rotenburg

„Ich bin ein Dorfmensch“

Genießt die Aussicht: Ulrich Hornstein ist neuer Geschäftsführer des Herz- und Kreislaufzentrums. Der Blick vom Balkon seines Büros erinnert ihn an seine oberpfälzische Heimat. Foto: Janz

Rotenburg. Gelb, Grün und Braun sind die Farben des Herbstes am Rodenberg. Vor dem grauen Himmel leuchtet das Laub zwar nicht, aber Ulrich Hornstein steht trotzdem mit einem Lächeln am Bürofenster. Das Haar des 41-Jährigen färbt sich langsam grau, Lachfalten rahmen seine dunklen Augen ein. „Jeden Tag stehe ich mindestens einmal an diesem Fenster und genieße den Ausblick“, sagt Hornstein mit bayerischem Akzent.

Noch ist es nicht sein Büro. Hornstein ist neuer Geschäftsführer des Herz- und Kreislaufzentrums (HKZ) in Rotenburg, aber erst wenn sein Vorgänger Guido Wernert zum November geht, zieht der neue Mann in das große Büro mit Balkon um. Ein paar Hundert Meter entfernt tritt ein Hirsch aus dem Gestrüpp des Rotenburger Wildgeheges, das die Stadt demnächst in einen Streichelzoo umwandeln will. „Es wäre wirklich schade, wenn die Wildtiere wegkommen würden“, sagt Hornstein, den all das an seine Heimat in der Oberpfalz erinnert.

Vielleicht fühlt er sich deshalb schon nach drei Wochen in Rotenburg so wohl. „Mir gefällt’s hier wirklich sehr gut“, sagt Hornstein. Das liege vor allem an den Mitarbeitern: „Ich bin mit einer Freundlichkeit und Fröhlichkeit aufgenommen worden, die im Gesundheitswesen selten ist.“ Das HKZ ist das siebte Klinikum, an dem Hornstein arbeitet.

„Ich hasse es, über den Tisch gezogen zu werden.“

Ulrich Hornstein

Aufgesetzt sei diese Offenheit nicht. Das ist Hornstein wichtig: „Ich hasse es, über den Tisch gezogen zu werden.“ Bei einem Vertrauensbruch sei für ihn schnell Schluss mit der Freundlichkeit.

Posten ist Herausforderung

Und die Arbeit am HKZ? Natürlich sei der Posten an einem derart spezialisierten Krankenhaus eine Herausforderung. Aber er habe das Gefühl, seine Ideen einbringen und umsetzen zu können. An seiner vorherigen Stelle hatte ihm das gefehlt. Die Krankenhäuser Pasing-Perlach in München sind Teil der Rhön-Klinikum AG. Im großen Gesundheitskonzern sei Hornsteins Spielraum als Geschäftsführer deutlich kleiner gewesen - kleiner als er erwartet hatte. Als das Angebot aus Rotenburg kam, hat er noch in der Probezeit gekündigt.

Will langfristig bleiben

Dass sein Aufenthalt am HKZ ähnlich kurz werden könnte, glaubt er nicht. Nach Jahren der regelmäßigen beruflichen Wechsel und der ewigen Wochenendpendelei zu seiner Familie wolle er langfristig in Rotenburg bleiben: „Ich denke, dass ich angekommen bin.“

Derzeit wohnt Hornstein in einem Appartement des Klinikums. Nächsten Sommer, wenn der Schulwechsel am einfachsten ist, wird seine Frau mit den beiden Kindern nach Waldhessen ziehen. Die Suche nach einem Haus läuft. Statt nach Rotenburg, Bebra oder Bad Hersfeld zieht es die Familie aber eher in einen der kleinen Orte - gerade groß genug für Bäckerei, Metzgerei und vielleicht ein Gasthaus.

„Ich habe noch nie in einer Stadt mit mehr als 3000 Einwohnern gelebt“, sagt Hornstein, „ich bin ein Dorfmensch“. Er will da wohnen, wo sich alle Nachbarn kennen, sich helfen, ohne Forderungen zu stellen, wo er bei den Alten Herren Fußball spielen kann, um abzuschalten.

Von Marcus Janz

Kommentare