Interview im Riesenrad: Amtsgerichtsdirektorin Michaela Kilian-Bock ist Lolls-Fan

„Ich brauche kein Video“

Gleich noch eine Runde: Amtsgerichtsdirektorin Michaela Kilian-Bock im Riesenrad. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Sie trägt das Herz auf der Zunge und ist der lebendige Beweis dafür, dass auch die Justiz ein Lächeln im Gesicht tragen kann: Michaela Kilian-Bock, seit Juli Direktorin des für den gesamten Landkreis zuständigen Amtsgerichts in Bad Hersfeld. Im Riesenrad sprachen wir mit ihr über das Lullusfest und seine Begleiterscheinungen.

Frau Kilian-Bock, Sie sind zwar eine „Hergeloffene“, aber ein erklärter Lolls-Fan. Was denken Sie über das Fest?

Michaela Kilian-Bock: Ich bin total begeistert von Lolls und seit ich in Bad Hersfeld bin, so oft es meine Zeit erlaubt, auf dem Festplatz.

Sie haben aber auch schon schmerzliche Erfahrungen bei Lolls gemacht. Was war denn da passiert?

Kilian-Bock: Das ist schon einige Jahre her. Der Ölmann, wie er landläufig genannt wurde, wollte eigentlich meinen Mann treffen, aber ich war dann die Leidtragende. Er hat mir mit einer Pressluftfanfare ins linke Ohr getrötet. Dadurch habe ich ein Knalltrauma erlitten, mit der Folge, dass ich eine Woche im Krankenhaus lag. Gottseidank ist alles folgenlos verheilt.

Die negativen Auswirkungen des Lullusfestes beschäftigen ja regelmäßig auch das Gericht. Zuletzt wurde im Prozess um eine Schlägerei über Video-Überwachung diskutiert. Was halten Sie davon?

Kilian-Bock: Ganz ehrlich – ich brauche kein Video auf Lolls. Schön wär’s zwar für einen Richter, wenn man dadurch klare Beweise hätte, aber das wäre auch eine totale Überwachung in allen Bereichen auf dem Lollsfest. Es werden ja nicht nur die gefilmt, die was anstellen, sondern auch ganz normale Bürger. Da bin ich eher diejenige, die es in Kauf nimmt, wenn mal etwas nicht bewiesen werden kann. Damit kann ich eher leben, als wenn alle Menschen durch die Überwachung gläsern werden.

Als Jugendrichterin können Sie ja auf manche Lolls-Übeltäter ganz direkt einwirken. Nutzen Sie diese Möglichkeit?

Kilian-Bock: Ja, das muss ich offen sagen. Vor kurzem hatte ich eine Verhandlung, in der ein junger Mann für eine Schlägerei am Auto-Scooter zu Dauerarrest verurteilt wurde. Das habe ich dann so geregelt, dass er jetzt über Lolls seinen Dauerarrest verbüßen muss. Parallel wurde das übrigens auch in Rotenburg zum Strandfest gemacht. Sowas wirkt nachhaltiger als alles andere, und so soll es im Erziehungsrecht auch sein.

Apropos Rotenburg. Sie müssen ja den Anfang dieses Jahres erfolgten Zusammenschluss beider Amtsgerichte fortführen. Sind Sie dabei schon in der Normalität angelangt?

Kilian-Bock: Nicht ganz. Wie bei einer Maschine knackt und knarzt es da noch ein bisschen, da ist noch etwas Öl erforderlich. Es geht aber nur um die Feinheiten, im Großen und Ganzen ist das abgeschlossen und entwickelt sich weiter positiv. Dies hat sich insbesondere auch am Tag der offenen Tür gezeigt, wo sich die Belegschaft als eine Einheit präsentiert hat.

Wenn Sie von hier oben auf den Lollsrummel schauen, gibt es dann irgendein Fahrgeschäft, in das Sie sich nicht setzen würden?

Kilian-Bock: Das Kinderkarussell. Dem bin ich entwachsen. Ansonsten fahre ich alles.

Von Karl Schönholtz

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