„Buddy Bolden’s Blues“ entführte Publikum im Grebekeller ins alte New Orleans

Huren, Alkohol und Jazz

Nicht immer jugendfrei: Julian Weigend (unser Bild) las mit Andrea Cleven und Holk Freytag aus Michael Ondaatjes Roman „Buddy Bolden’s Blues“ im Grebekeller in Bad Hersfeld. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld. Vier hochkarätige Jazzmusiker, eine großartige Sängerin, die beiden Festspielschauspieler Andrea Cleven und Julian Weigend sowie der ehemalige Intendant Holk Freytag entführten die Gäste des Grebekellers am Samstag abend ins New Orleans kurz nach der Jahrhundertwende.

Huren, Zuhälter, Alkohol, Gewalt und natürlich wilder, roher Jazz bestimmten das Leben jener Tage in den dunklen Kaschemmen und zweifelhaften Lokalen der berühmten Metropole am Mississippi-Delta. Mittendrin Buddy Bolden, Frauenheld, Friseur und Kornettist, der zuwenig schläft, aber dafür zuviel trinkt, und sicherlich keine Buttermilch.

Spurlos verschwunden

Als Buddy eines Tages spurlos verschwindet, macht sich sein alter Freund Webb im Rotlichtviertel von New Orleans auf die Suche nach ihm. Schließlich findet er ihn bei einer neu gefundenen Liebe und überredet ihn zur Rückkehr in die Canal-Street, den Ort jener lauten und wilden Musikparaden, für die New Orleans berühmt war und ist. Kurz darauf bricht Buddy während einer dieser Paraden zusammen und wird mit der Diagnose „alkoholbedingte Psychose“ In eine Nervenheilanstalt eingewiesen, in der er bis zu seinem Tod 1931 bleibt.

Andrea Cleven, Julian Weigend und Holk Freytag lasen – nicht immer ganz jugendfreie – Passagen aus dem preisgekrönten Bestseller „Buddy Boldens Blues“ von Michael Ondaatje („Der englische Patient“) und ließen damit das wilde Leben des berühmten Bandleaders und angeblichen Erfinders des Jazz wieder auferstehen.

Die dazu passende Musik, mal schrill und laut, mal leise und sinnlich lieferte das „Wolfgang Schmidtke Quartett“. Neben Wolfgang Schmidtke (Baßklarinette, Saxophone), der übrigens 2010 für die Bad Hersfelder Festspiele „Carmen - ein deutsches Musical“ komponiert hatte, spielten Reiner Winterschladen (Trompete), Joscha Oetz (Kontrabaß) und Bernd Oezsevim (Schlagzeug). Ergänzt wurde das Quartett durch die großartige Sängerin Thann Mai Susann Kieu, deren facettenreicher Gesang sicherlich einen der vielen Höhepunkte dieses überaus gelungenen Abends bildete.

So gab es nicht nur immer wieder begeisterten Zwischenapplaus für die vielen virtuosen Soli, sondern Musiker und Schauspieler wurden auch mit langanhaltendem Schlussapplaus belohnt.

Von Thomas Landsiedel

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