Rotwild leidet bei Schnee unter Futterknappheit – Forstämter warnen dennoch vor falscher Tierliebe

Hungrig durch die kalte Zeit

Anstrengend: Bei der Nahrungssuche im harschen Schnee hat es das Rotwild nicht leicht. Unser Archivbild zeigt einen Hirsch im Wildpark Knüll. Foto: Archiv

Hersfeld-Rotenburg. Schreck beim Waldspaziergang: Zwischen Bad Hersfeld und Rotenburg fanden sich in den vergangenen Wochen häufiger tote Rehe. Offenbar waren die Tiere verhungert.

Dabei handelt es sich nicht um ein außergewöhnliches Phänomen. Wie das Forstamt Rotenburg mitteilt, überstehen jedes Jahr einzelne Tiere den Winter nicht. Als Teil der natürlichen Auslese sterben die Tiere, die zu spät geboren und daher noch zu schwach für die anstrengende Futtersuche im Winter sind. Auch Tiere, die durch Krankheiten geschwächt sind, kommen im Winter oft auf natürliche Weise zu Tode.

Auch die Rotenburger Jägervereinigung bestätigt, dass es sich um natürliche Auslese handelt und die „Fallwildzahlen“, also die Anzahl der verendeten Tiere, nicht außergewöhnlich hoch sind.

„Obwohl im vergangenen Jahr nur sehr wenige Eicheln und Bucheckern gewachsen sind, finden die Tiere jetzt bei dem anhaltenden Tauwetter ausreichend Nahrung auf dem Waldboden“, sagt Jochen Eichwede von der Jägervereinigung. „Im Januar gilt die Notzeit für Rotwild, das bedeutet, Rehe und Hirsche werden bei Bedarf von den Jägern gefüttert“, erklärt er. Sie stellen Futterkrippen auf und platzieren geeignetes Futter wie Silage darin. Tun sie dies, ist die Jagd auf Rotwild in dem jeweiligen Gebiet verboten. Ist der Schnee durch wiederholtes Antauen und Festfrieren zu harsch, wird das Füttern notwendig. Die Tiere können sich bei der Suche in harschem Schnee und Eis verletzen.

Im Bereich zwischen Bad Hersfeld und Rotenburg wird momentan nicht gefüttert. Die Untere Jagdbehörde in Bad Hersfeld könnte eine allgemeine Notzeit ausrufen, hat dies aber noch nicht getan. Die Tiere könnten auf die Felder in der Gegend ausweichen und zum Beispiel Raps fressen, so Eichwede.

Nicht selbst füttern

Das Forstamt ruft die Menschen auf, keinesfalls eigenmächtig Futter für Wildtiere auszulegen. Dies gilt nicht nur für Rehe im Winter. Auch anderen Tieren wird mit der gut gemeinten Tat oft eher geschadet. Einerseits vertragen viele Wildtiere kein Brot oder andere Essensreste, andererseits sollen die Tiere nicht daran gewöhnt werden, ihr Futter von Menschen zu erhalten. Schon jetzt würden die Tiere auf der Suche nach Futter immer näher an den Waldrand und die Siedlungen der Menschen herankommen. Wird dieses Verhalten gefördert, suchen die Tiere gar nicht mehr selbständig im Wald nach Nahrung und können nicht überleben. Eine Einmischung des Menschen in natürliche Abläufe ist also hier nicht ratsam.

Von Patrick Kessler

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