Porträt: Elfriede Mautsch ist seit 40 Jahren der gute Geist der Stiftsruine

Die Hüterin der Pforte

Zweites zu Hause: Elfriede Mautsch hinter dem Tresen ihres geliebten Kiosks. Foto: Brandau

Bad Hersfeld. Kein Sommerurlaub in den letzten 40 Jahren. Das nimmt Elfriede Mautsch gerne in Kauf. Viel lieber arbeitet sie in ihrer geliebten Stiftsruine. In diesem Jahr hat sie Jubiläum. Volle 40 Jahre ist sie dabei. Anfangs putzte sie und war Mädchen für alles für die Intendanten. 1986 wurde sie vom Land Hessen offiziell zur Aufseherin über die Stiftsruine ernannt. Garderobe, Zuschauerraum und Besucherführungen fielen in ihren Aufgabenbereich.

Zu finden ist die fitte 73-jährige allerdings meistens in ihrem Kiosk im Eingangsbereich der Ruine. Dort verkauft sie Getränke und Leckereien an die Besucher.

Tätig im Ehrenamt

Mit 60 Jahren ließ sich Elfriede Mautsch pensionieren. Das hieß aber nicht das Ende ihrer Arbeit. Bis heute arbeitet sie ehrenamtlich in ihrem zweiten zu Hause. „Ich liebe die Ruine über alles“, erklärt Elfriede Mautsch.

In all den Jahren hat sie nicht eine Vorstellung verpasst. „Der fröhliche Weinberg“ war ihr persönliches Highlight. Bei Sonne, Regen und Sturm sitzt Elfriede Mautsch in „ihrer“ Ruine. „Meine Knochen haben schon gelitten“, bekennt sie. Aber trotzdem werde sie weiter machen, bis es nicht mehr geht. Der Kiosk ist mittlerweile zu einem Familienbetrieb geworden. Elfriede Mautsch hat ihn ihrem Sohn überschrieben. Doch von März bis Oktober steht sie selber hinter der Kasse. Während ihrer gesamten Amtszeit hat sie neben ihren Ruinen-Tätigkeiten auch noch sechs Kinder groß gezogen. „Teils habe ich für elf Leute mittags gekocht“.

Alles selber beigebracht

Die am 13. Januar 1938 geborene Weißenbornerin arbeitete vor ihrem Umzug nach Bad Hersfeld als Verkäuferin in Frankfurt. Eine Ausbildung gemacht hat sie nicht. Dafür war damals kein Geld da. Buchhaltung musste sie sich später selber beibringen. „Mich kann man eigentlich überall einsetzen“, erzählt sie. Als ihr Mann dann 1970 als Schreiner in Bad Hersfeld tätig wurde, wollte auch sie nicht mehr zu Hause sitzen. Schon ein Jahr später klappte es mit der Anstellung, die ihr Leben bis heute bereichert. „Ein Sonnenuntergang in der Ruine, das ist einfach nur wunderschön.“ Sie hofft, dass sie so lange wie möglich dabei bleiben kann. „Die Ruine ist ein Bauwerk, das man in Ehren halten muss“, erklärt Elfriede Mautsch ehrfürchtig.

Von Lea-Marie Brandau

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