Marlene Jaschke begeisterte mit dem Programm „Auf in den Ring“ in Bad Hersfeld

Hornbrille und Flügelhelm

„Herr Griepenstroh“ (li.) und Marlene Jaschke (re.) bereiten den Angriff auf die Bad Hersfelder Lachmuskeln vor. Foto: Goßmann

BAD HERSFELD. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild für die Götter: Ein kahlköpfiger, Pianist betritt die Bühne, schwingt sich an seinen Flügel und gibt sein musikalisches Talent zum Besten. Gleichzeitig müht sich jemand hinter dem Vorgang ab und versucht, den Weg ins Rampenlicht zu finden. Dann ist es soweit: In beige Kleidung gehüllt, mit knallrotem Hut und roter Bluse, die Hornbrille auf dem Gesicht und die Füße in Bequemschuhen mit Zimteinlage, betritt Marlene Jaschke die Bühne der Bad Hersfelder Stadthalle.

Der Comedy- und Kabarettstar präsentierte am Freitagabend der Lullusstadt ihr Programm „Auf in den Ring“ und sorgte damit für ausgiebiges Lachmuskeltraining bei ihren Zuschauern. Mal mit Tanzeinlagen, mal mit johlenden Proben ihrer Sangeskunst, vor allem aber durchweg charmant und herrlich schrullig erzählte die Dame, wie sie mit Freundin Hannelore die Oper zu Richard Wagners „Der Ring der Nibelungen“ besucht hatte. Eine Darbietung, die die Hamburgerin auf eine Zerreißprobe stellt: „16 Stunden und 23 Minuten! Eine wahre Zumutung!“ klagt sie ihr Leid. „Ich hab gleich erst mal einen Brief an Richard Wagner geschrieben.“

Nicht mehr im Griff

Eine Antwort hat sie zwar noch nicht erhalten, was sie aber nicht daran hinderte, in einem wahren Crashkurs den „Ring“ aus ihren Augen wiederzugeben und dabei einen Frontalangriff auf die Zwerchfelle des Publikums zu starten. „Wenn da so das ganze Orchester von Richard Wagner über mich rollt, da hab ich mich nicht mehr im Griff“, schildert sie. „Da fällt mir doch glatt die Handtasche aus dem Schoß und da kullert mein Pausenbrot.“

Vom Diebstahl des Rheingolds, über die Gefahren von Tarnkappen beim Blind-Date und die Frage, was Richard Wagner mit der gleichnamigen Pizza zu tun hat, nahm sie den berühmten Opernzyklus bis hin zu Siegfrieds Geburt aufs Korn. „Was hab ich darauf gewartet“, jammerte sie. „Ganze acht Stunden!“

Und dann ging es erst richtig zur Sache. „Herr Griepenstroh“, der musikalische Partner des Schauspielwunders, spielte eine ungewohnte Klavierversion des sonst so mächtigen „Ritt der Walküren“.

Kurz darauf quälte sich die Kultfigur der Hansestadt erneut durch den Vorhang, mit einem Brustpanzer aus Plastik gerüstet, mit einem als Speer improvisierten Kanalrohr bewaffnet und mit einem leuchtend rotem Flügelhelm auf dem Haupt.

Bizarres Kostüm

Ihr bizarres Brünhild-Kostüm sorgte für schallendes Gelächter, bei dem kein Auge trocken blieb. Gemeinsam mit einem tapferen Zuschauer, den sie sich als ihren „Siegfried“ aus dem Publikum herauspickte, spielte sie nach, wie der Held der Oper durch das Feuer schreitet, um Brünhild zu wecken, und kreierte damit den Höhepunkt der Show.

Marlene Jaschke handelte den „Ring der Nibelungen“ in zwei Stunden so ab, dass ihn die Besucher der vollbesetzten Stadthalle verstanden und obendrein auch noch jede Menge Spaß daran hatten.

Die Gäste wiederum dankten es ihr und „Herrn Griepenstroh“ mit donnerndem Applaus, während sie zusammen mit dem Comedystar und mit den Versen „die Geige sie singet, sie jubelt und klinget!“ die Aufführung aushallen ließen.

Von Torsten Goßmann

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