Kanälen und Kassen zuliebe: Ein-Euro-Jobber kehren wertvolles Streugut zusammen

Sie holen den Splitt heim

Ein eingespieltes Team: Vladimir Fink (vorne links) und Gerhard Richter kehren den Winter am Fuße des Johannesbergs aus. Im Hintergrund fegen fleißig Carsten Köhler, Achim Augustin und Matthias Schäfer (von links). Foto: Schleichert

Bad Hersfeld. Sie schwingen den Besen im Gleichtakt: Acht Ein-Euro-Jobber reinigen die Straßen Hersfelds vom Rollsplitt. Seit wenigen Tagen kehren sie jene Stellen, wo das Streugut große Rutschgefahr birgt: „Insbesondere Kreuzungsbereiche, Kurven, Bushaltestellen, aber auch Parkplätze“, zählt Jürgen Harth, stellvertretender Fachbereichsleiter Technische Dienste, auf.

Die freiwilligen Arbeitskräfte, die jeden Tag etwa zehn bis zwölf Tonnen Splitt auf den Laster der Stadt schippen, hat der Landkreis der Kreisstadt vermittelt. Bürgermeister Thomas Fehling hatte die schnelle Unterstützung angefordert.

Einsatz auf 80 Kilometern

Vergangene Woche fiel der Startschuss: Vor den Ein-Euro-Jobbern liegen insgesamt 80 Kilometer Fahrbahn, auf die der Winterdienst etwa 180 Tonnen Splitt gestreut hat. Nach dem Winterdienst folgt der Kehrdienst. Derzeit übernimmt die Truppe diesen im Alleingang. Denn die städtische Kehrmaschine ist vergangene Woche unter dem strapaziösen Einsatz wortwörtlich zusammengebrochen: „Hinterachsenbruch“, diagnostiziert Fachbereichsleiter Martin Bode. Erst Ende nächster Woche, so schätzt er, wird der Schaden in Höhe von 10 000 Euro behoben sein.

Doch die Zeit drängt. Bis dahin nämlich könnte der der Splitt im Untergrund verschwunden sein: Zunächst spült Regenwasser das Material in Gullydeckel – und schließlich in die Hersfelder Kanalisation. „Das scharfkantige Material würde sich dort festsetzen“, erklärt Bode, „wir müssten schließlich alles wieder raussaugen“. Schlimmstenfalls käme es zu Verstopfungen im Kanalsystem.

Doch nicht nur der Kanalisation wegen fegen die Ein-Euro-Jobber fleißig: „Die Truppe leistet auch einen wertvollen Dienst, weil sie wertvolles Material zusammenkehrt“, sagt Martin Bode.

Etwa die Hälfte des ausgestreuten Guts, schätzt Jürgen Harth, sammelt der Handfeger-Trupp auf. Das verschmutzte Streugut wird am Bauhof der Stadt ausgebreitet, mit Rechen und Hochdruckreiniger gesäubert und schließlich wiederverwendet. Denn was zurzeit noch auf den Straßen liegt, ist bares Geld: Eine Tonne Splitt kostet derzeit 22 Euro.

Von Pia Schleichert

Kommentare