Gewerbsmäßige Plünderung bringt die Gebühren ins Wanken

Hohe Metallpreise locken Sperrmülljäger

Hersfeld-Rotenburg. Die Wirtschaftskrise scheint überwunden, die Rohstoffpreise klettern wieder. Was die einen als Sperrmüll auf die Straße stellen, ist für die anderen bares Geld wert. Schrottsammler haben es auf Metall und andere Wertstoffe abgesehen und plündern den Sperrmüll.

Das ist kein Kavaliersdelikt, denn der Anteil an Holz und Metall halbiert die Entsorgungskosten und entlastet die Gebührenzahler. Meldet ein Bürger im Landkreis Sperrmüll zur Abholung an, geht das, was er auf die Straße stellt, automatisch in den Besitz des MZV oder AZV über. Das Absammeln von Sperrmüll ist also rechtlich betrachtet Diebstahl. Im MZV-Gebiet haben es die Mülldiebe besonders leicht: Während im Gebiet des Abfallwirtschafts-Zweckverbands (AZV) der Sperrmüll dann abgeholt wird, wenn die Abholung bestellt wird, gibt es im MZV-Gebiet feste Termine. Jeden Dienstag in ungeraden Wochen ist Abholung. So wissen die Mülldiebe genau, wann es lohnt, in den Straßen zu patrouillieren und nach Verwertbarem Ausschau zu haltren.

MZV sieht Lage entspannt

Trotzdem kann der MZV die Lage entspannt betrachten. Einerseits muss er den Sperrmüll sowieso zur Verwertung an den AZV liefern, in dem er ähnlich einer Gemeinde Mitglied ist. Andererseits fällt im MZV-Gebiet verhältnismäßig wenig Sperrmüll an. Laut Hartmut Grünewald, dem stellvertretenden Verbandsvorsitzenden, sammelt der MZV jährlich nur 300 bis 400 Tonnen ein, während im AZV-Gebiet über 4 000 Tonnen anfallen.

Zudem bestehe der Sperrmüll zu 40 bis 70 Prozent aus Holz. Dieses entsorge der AZV für mehr als 80 Euro pro Tonne. Metall, für das man 100 bis 200 Euro pro Tonne bekomme, mache nur fünf bis zehn Prozent aus. Dennoch habe der Entsorger E.ON ein Recht auf „unberaubten“ Sperrmüll, betont Gerd Keidel vom AZV.

Von Patrick Kessler

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