Kosten: Hebammen bangen um Existenz

Werdende Mütter suchen jetzt schon nach Betreuungsangeboten

Hersfeld-Rotenburg. Knapp 30 Hebammen verdienen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ihr Geld und ein Großteil von ihnen ist selbstständig. Ab 1. Juli müssen sie jedoch 3800 Euro pro Jahr für ihre Haftpflichtversicherung zahlen. Ute Petrus vom Berufsverband der hessischen Hebammen geht davon aus, dass deshalb nicht wenige Kolleginnen ihren Job aufgeben werden. Dabei müssen werdende Mütter jetzt schon weitere Wege in Kauf nehmen, um einen Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen.

So geht es beispielsweise einer 31-jährigen Frau aus Schenklengsfeld: „Ich habe einen Geburtsvorbereitungskurs in Bad Hersfeld gesucht, aber die waren alle voll. Jetzt muss ich bis nach Hünfeld fahren, genauso wie zwei Frauen aus Hohenroda“, sagt sie. Für die Nachsorge hat sich die Erstgebärende aber eine selbstständige Hebamme aus Bad Hersfeld engagiert.

Für ihre Leistungen bei der Geburt werden Beleghebammen pauschal bezahlt: Sie bekommen 237 Euro im Krankenhaus, 445 Euro im Geburtshaus und 537 Euro bei einer Hausgeburt. Besonders betroffen von den hohen Versicherungsbeiträgen seien kleinere Krankenhäuser wie das Kreiskrankenhaus in Rotenburg, sagt Ute Petrus: „Dort werden im Jahr 120 Kinder geboren. Und es sind mindestens vier Hebammen nötig, die sich abwechseln. Aber wenn bei dieser verantwortungsvollen Arbeit nur 7,50 Euro herauskommen, werden sich einige Hebammen einen neuen Job suchen.“ Sorgen macht sich auch die freiberufliche Hebamme Christiane Friedrich aus Rotenburg. „Ich muss das schließlich noch 30 Jahre machen und im Moment weiß ich nicht, wie das gehen soll.“

Laut Ute Petrus vom Berufsverband der hessischen Hebammen muss eine Gehaltserhöhung her, damit der Beruf der Hebamme (1280 in Hessen) erhalten bleibt. Momentan sei es so, dass die Zahl der Kinder, die bei der Geburt beeinträchtigt werden, zurückgeht. „Aber die Krankenkassen verlangen immer mehr Geld. Das geht gleich in die Millionen“, sagt Petrus. Auch bei weniger dramatischen Fällen, beispielsweise wenn eine Brustentzündung bei der Mutter vorliegt, werde den Hebammen schnell „der schwarze Peter zugeschoben“. Der Versicherer, der deshalb jetzt die Beiträge erhöht, heißt Securon. Geschäftsführer Bernd Hendges sagt: „Die Hebammen verdienen zu wenig.“

Von Judith Strecker

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