Häusliche Gewalt wird oft nicht angezeigt

Hohe Dunkelziffer

Häusliche Gewalt ist keine Privatsache und kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat“, betont die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz. Sie hofft, dass mit der Brötchentütenaktion die Sensibilität wächst, auch für Auffälligkeiten im näheren Umfeld.

„Seit der Einführung des Gewaltschutzgesetzes im Jahr 2002 wurden hessenweit bis zum Jahr 2009 mehr als 53 000 Fälle von häuslicher Gewalt polizeilich erfasst“, stellt Künholz fest, wohl wissend, dass die Dunkelziffer deutlich darüber liegt. Dennoch sei die Bereitschaft der betroffenen Frauen, zur Polizei zu gehen, leicht angestiegen, seit Frauen wüssten, dass die Polizei den Täter aus dem Haus weisen könne, ergänzt die Frauenbeauftragte Dr. Andrea Fink-Jacob.

Meiste Opfer sind weiblich

In weit mehr als 80 Prozent der Fälle, so die Statistik des Landeskriminalamtes, seien die Opfer häuslicher Gewalt weiblich, betont Fink-Jacob. Untersuchungen zeigten, dass Frauen im Schnitt sieben Jahre in einer Gewaltbeziehung lebten, bevor sie Hilfe suchten. In vielen Fällen seien auch die Kinder mit betroffen und litten unter der Gewalt.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wurden im Vergangenen Jahr übrigens 22 Fälle angezeigt, in denen sich dieGewalt gegen Männer richtete und von Frauen ausgeübt wurde.

Für den Obermeister der Bäckerinnung, Wilfried Brandau, ist es selbstverständlich, die Aktion zu unterstützen. „Etwa dreiviertel unserer Mitarbeiter sind weiblich. Wir haben ein persönliches Interesse daran, dass sie in einem vernünftigen Umfeld leben können“, stellt Brandau fest.

Viele Kinder betroffen

Er hat bei seinen Innungskollegen intensiv dafür geworben, sich an der Brötchentütenaktion zu beteiligen. Besonders schlimm findet er, dass auch so viele Kinder betroffen sind.

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