Keine Annäherung zwischen Festspielen und Oper

Hohe Diplomatie im Streit um die Ruine

Auch Hermann Diel vom Hessischen Rundfunk (links) erfuhr von Bürgermeister Thomas Fehling und Festspiel-Intendant Holk Freytag (rechts) nichts Neues zum Dauer-Konflikt mit dem Arbeitskreis für Musik. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Zugeknöpft bis bemüht diplomatisch reagierten Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling und Festspiel-Intendant Holk Freytag auf Fragen nach dem Sachstand im Dauer-Konflikt mit dem Opern-Veranstalter Arbeitskreis für Musik (AfM). Bekanntlich kollidieren die Interessen beider Kulturträger bei Veranstaltungen in der Stiftsruine immer wieder sowohl inhaltlich wie auch terminlich.

Ein noch bis 2015 laufender Vertrag regelt das Nebeneinander, obwohl sich die Zahl der Fürsprecher eines Miteinanders in jüngster Zeit gemehrt hat. Zuletzt hatte sich die Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine als Vermittler angeboten.

Könnte besser sein

„Die Zusammenarbeit mit dem AfM könnte besser sein,“ sagte der Bürgermeister vor dem Kulturausschuss. Es gebe zwar „intensive Gespräche, aber auch einen Vertrag, an den sich die Stadt halten wird.“ Von seiner Seite aus sei das Angebot zur Kooperation da, bekräftigte Fehling.

Intendant Freytag, der im Vorfeld der Festspielsaison 2011 wegen eines Auftritts des Dresdner Kreuzchores in der Ruine mit dem AfM aneinander geraten war, versicherte, keinen neuen Konfliktstoff liefern zu wollen. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass Freytag die durch den Vertrag bedingten Terminzwänge als höchst nachteilig für die Festspiele betrachtet.

„Außerordentlich zufrieden“ zeigte sich Bürgermeister Fehling jedoch mit dem Verlauf der gerade beendeten Spielzeit und attestierte dem Intendanten „tolle Aufführungen von herausgehobener Qualität“. In seinen Dank bezog Fehling auch die Mitarbeiter seiner Verwaltung und der technischen Abteilung ein, die im Team immer noch ein bisschen mehr geleistet hätten, um das Unternehmen Festspiele zum Erfolg zu führen.

Offener Dialog

Holk Freytag blieb den umgekehrten Dank nicht schuldig und verwies auf die stete Kommunikation zwischen Intendanz und Rathaus, die im offenen, direkten Dialog gepflegt worden sei.

Aus dem Nähkästchen plauderte der Intendant anschließend bei der Vorstellung des Spielplans 2012. Denn die Auswahl des neuen Musicals sei eine „schwere Geburt“ gewesen.

Wie der Festspiel-Chef erläuterte, seien alle geeigneten und rechtlich verfügbaren Musicals (Freytag: „Wir sind uns einig, dass My fair Lady für die Stiftsruine nicht geeignet ist“) in Bad Hersfeld bereits aufgeführt worden.

Überlegungen in Richtung des Disney-Musicals „Die Schöne und das Biest“ hätten sich wegen gestoppter Deutschland-Rechte vor einem halben Jahr erledigt, noch kurzfristiger sei das Projekt „Cats“ gescheitert. Also erstmals eine Reprise: „Anatevka“ kehrt nach 25 Jahren auf die Bühne der Stiftsruine zurück.

Von Karl Schönholtz

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