Hofnarren, Frei-Denker und treue Vasallen

Kai A. Struthoff

Früher hatten Könige ihre Hofnarren, die ihnen mit Ironie und Witz den Spiegel vorhielten und oft unbequeme Wahrheiten sagten. Heute ist das mit der Ironie so eine Sache, denn sie wird oft missverstanden. So erging es wohl auch unserem Ersten Stadtrat Dr. Rolf Göbel bei seinem Begrüßungsvortrag für das Festspielensemble. Dort brachte er eine Schmonzette über einen engstirnigen Controller zu Gehör, der eine Schubert-Sinfonie zusammenstrich.

Alle dachten natürlich sofort an – na, Sie wissen schon. Aber Göbel hatte ja noch den „wichtigen“ Satz hinzugefügt, dass es sowas in unserer Stadt nicht gäbe. Den hatte die HZ allerdings – ganz bewusst – nicht gedruckt, worüber Göbel sich dann ärgerte. Aber warum? Denn wir halten unseren Ersten Stadtrat natürlich nicht für einen Hofnarren, sondern für einen klugen und erfahrenen Politiker, der ganz genau weiß, was er wann sagt.

Richtig verstanden hatten wohl auch die anderen Magistratsmitglieder den Sinnzusammenhang des Göbel-Vortrags – und waren empört, wie es NBL-Stadtrat Kreissl für das Gremium zum Ausdruck brachte. Er forderte Göbel deshalb sogar indirekt zum Rücktritt auf. Gewiss, als Erster Stadtrat vertritt er den Magistrat und den Bürgermeister – aber darf er deshalb keine eigene Meinung haben? Die Gedanken sind frei, sang unser Festspiel-Ensemble sehr passend zum Probenbeginn. Und so soll es doch auch bleiben.

Das schmeckt freilich nicht allen. Die neue CDU-Stadtverbands-Chefin Silvia Schoenemann, die ihre Partei als „neue politische Kraft der Stadt“ sieht (war das wohl auch Ironie?) verteidigte den Bürgermeister gegen „Diffamierungen“. Ob sie damit die kämpferische Haushaltsrede von SPD-Mitfraktionschef Carsten Lenz, viele Leserbriefschreiber oder die HZ meinte, ließ sie offen. Aber sind fundierte Kritik und ein leidenschaftlicher politischer Diskurs denn Diffamierung? Als Anwältin sollte Silvia Schoenemann eigentlich den Wert und auch die sehr weit gefasste richterliche Auslegung der Meinungsfreiheit kennen.

Bemerkenswert fand ich beim CDU-Frühjahrsempfang auch die Treueschwüre der Stadt-CDU für den FDP-Bürgermeister Fehling. Das klang für mich fast so, als wollten die Christdemokraten auch bei der kommenden Wahl erneut auf einen eigenen Kandidaten für das Bürgermeisteramt verzichten. Erst auf meine Nachfrage beeilte sich Schoenemann zu erklären, dass die Unterstützung natürlich nur für die laufende Amtszeit gelte. Naja, mal sehen ob sich derartige Vasallentreue beim Wähler auszahlt.

Einen Bürgermeisterkandidaten braucht auch Haunetal – und zwar sehr bald. Doch noch ruht dort still der See. Für die CDU rächt sich jetzt, dass der damalige Kandidat Timo Lübeck, der heute immerhin CDU-Kreisvorsitzender ist, einfach abgesägt wurde. Vielleicht würde es sich ja doch lohnen, den engagierten und gut vernetzten jungen Politiker nochmal zu fragen, ob er nicht antreten will. Sollten im Haunetal nicht einige endlich über ihren Schatten springen und ihre Gedanken von alten Animositäten frei machen?

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