Das Handwerk präsentiert sich selbstbewusst als eine „stabile Säule der Gesellschaft“

Hoffnung in der Krise

Arno Brill (links) aus Wildeck-Obersuhl wurde zum Ehrenobermeister ernannt. Der Schneider, der auch für die Wildecker-Herzbuben Maßarbeit leistet, ist einer von nur noch drei Schneidern im Kreis.

Bad Hersfeld. Handwerk hat goldenen Boden – und goldige Sprüche. „Gott schuf Himmel und Erde, alles andere haben wir gemacht“, rief der Präsident der Handwerkskammer in Kassel, Heinrich Gringel aus der Schwalm, launig den Besuchern im bis auf den letzten Platz gefüllten Kreistagssitzungssaal zu. Sein Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. „Das Handwerk wird anerkannt und ist in Zeiten der Krise die stabilste Säule der Gesellschaft“, machte Gringel eindeutig klar.

Den 19 Jungmeisterinnen und -meistern, die anlässlich des traditionellen Neujahrsempfangs der Kreishandwerkerschaft ihre Meisterbriefe überreicht bekamen, konnte Gringel trotz aller Skepsis nur Mut machen. „Wir brauchen im Handwerk junge Leute, die Verantwortung übernehmen“, sagte er und verwies auf rund 2000 Betriebe im Kammerbezirk Kassel, die schon in nächster Zeit altersbedingt Nachfolger suchen.

Auch der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Arno Schöter würdigte den Handwerker-Nachwuchs. „In Ihnen hat sich der Wille zur Weiterbildung manifestiert“, erklärte Schöter und stellte kritisch fest, dass der Wille zur Weiterbildung in deutschen Landen nicht allzu ausgeprägt sei. Schöter plädierte eindringlich dafür, für Ausbildungsplätze in der Region zu sorgen, nur so sei dem Trend zu begegnen, dass junge Leute in die Ballungsräume abwandern.

Der 64-jährige Schöter nutzte die breite Öffentlichkeit des Neujahrsempfangs auch, um seinen designierten Nachfolger als Hauptgeschäftsführer vorzustellen: Dirk Bohn. Der 39-jährige wohnt seit Anfang des Jahres mit seiner Familie in Bad Hersfeld und wird Schöter am 1. April ablösen, wenn dieser in den Ruhestand geht. Dass Bohn dann eine gut aufgestellte und vor Selbstbewusstsein strotzende Handwerkerschaft übernehmen wird, wurde beim Neujahrsempfang sehr deutlich.

Mit kritischen Worten an die Politik und einem klaren Verweis auf die Bedeutung des Handwerks sparte keiner der Redner: „Das Handwerk lebt Werte, bildet in überragender Weise aus und fördert die regionale Wertschöpfung“, machte Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker den Gästen klar.

Auch Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt versicherte den Handwerkern die Unterstützung des Kreises. Er verwies darauf, dass der Landkreis im Jahr 2010 knapp 16 Millionen Euro investieren wolle, hinzu kämen knapp 28 Millionen Euro aus den Konjunkturprogrammen von Bund und Land.

„Ich freue mich, dass die überwiegende Zahl der Aufträge für diese Investitionen an Firmen aus dem Landkreis geht“, sagte Schmidt, dies sichere die Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Region.

Von Kai A. Struthoff

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