Von Höhen und Tiefen

Kai A. Struthoff

Das Lampenfieber steigt. Dreimal werden wir noch wach – dann ist der Premierentag! Ich bin sehr gespannt auf die Ruinenfassung des „Dschungelbuchs“. Viele meiner Generation sind mit dieser entzückenden Geschichte aufgewachsen, allerdings in der Version von Walt Disneys Zeichentrickfilm. Ich kann mir nur schwer eine andere Aufbereitung des Stoffs vorstellen. Aber seit ich die fröhliche Lena Vogt – „unsere“ Mogli – kennengelernt habe, will ich gern glauben, dass das Dschungelkind eigentlich ein Mädchen ist. Die Matinee unserer Zeitung hat das Premierenfieber auch für die anderen Stücke angeheizt. Ich freue mich schon auf die Fanfare!

Bevor wir aber zum Festspiel-Olymp emporsteigen, müssen einige noch ein Tal der Tränen durchqueren. Heute wird Reinhold Stanitzek beigesetzt. Mit dem CDU-Ehrenvorsitzenden verliert unser Kreis einen seiner profiliertesten Politiker, der bis zuletzt viel Einfluss in seiner Partei hatte. Zur Beerdigung wird viel politische Prominenz erwartet, auch das ein Beweis für das hohe Ansehen, das Stanitzek weit über die Kreisgrenzen hinaus genoss.

Ich gebe zu, dass ich politisch oft nicht seiner Meinung war. Aber ich denke gern an die anregenden, klugen Gespräche am Kamin oder im Garten seines gastlichen Hauses zurück. Reinhold Stanitzek war ein streitbarer Mann, ein echter Polit-Profi, der unverbrüchlich zu seinen christlichen und konservativen Wurzeln und Grundwerten stand. Das hat mir stets imponiert. Seine Frau Anni und die beiden Töchter brauchen jetzt viel Kraft in schwerer Zeit.

Mit ungewöhnlicher Vehemenz attackiert derzeit Horst Zanger von der Partei „Die Linken“ den kreiseigenen Verein zur Integration von Arbeitskräften „Via“ und Sozialdezernentin Elke Künholz (SPD). Zanger meint, etwas sei faul bei der „Via“. Und tatsächlich ermittelt dort die Staatsanwaltschaft Fulda wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit. Die „Via“ kümmert sich um eine schwierige Klientel, versucht Menschen zu helfen, die die meisten schon aufgegeben haben, ja, die sich auch selbst vielleicht schon aufgegeben haben. Natürlich entstehen in solchem Umfeld auch oft Frust, Zorn und Enttäuschung.

Horst Zanger weiß das, denn er war selbst als Ein-Euro-Jobber bei der „Via“ beschäftigt. Vielleicht schießt er deshalb mit seiner Wortwahl jetzt etwas über das Ziel hinaus. Denn persönliche Betroffenheit ist nicht unbedingt ein guter Ratgeber.

Aber auch Elke Künholz weiß wohl, dass nicht alles optimal gelaufen ist bei der „Via“. Seit ihrem Amtsantritt hat sie dort bereits einiges verändert. Dennoch müssen jetzt die Fakten auf den Tisch. Die Staatsanwaltschaft sollte sich endlich zum Ermittlungsstand äußern und Zanger seine angeblichen Beweise auf den Tisch legen.

Schuldzuweisungen nutzen keinem – schon gar nicht den „Via“-Beschäftigten.

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