DAK-Gesundheitsreport warnt vor Missbrauch von Medikamenten

Hirn-Doping am Arbeitsplatz nimmt zu

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Hersfeld-Rotenburg. Immer mehr Arbeitnehmer greifen zu verschreibungspflichtigen Medikamenten, um fit für den Job zu sein. Das ist das Ergebnis des neuen DAK-Gesundheitsreports, dessen Ergebnisse jetzt von Harald Schmidt, dem Leiter des DAK-Service-Centers für Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner, vorgestellt wurden.

Rund sieben Prozent der 5000 Befragten gaben an, schon mal Medikamente eingenommen zu haben, die nicht ihnen, sondern Angehören verordnet wurden. Dazu gehören beispielsweise Alzheimer-Medikamente, um die Gedächtnisleistung zu verbessern, Antidepressiva zur Stimmungsaufhellung oder Beta-Blocker zum Abbau von Stress und Nervosität. Die Dunkelziffer dürfte nach Schätzungen der DAK vermutlich sogar bei zwölf Prozent liegen.

„Ein solcher Umgang mit verschreibungspflichtigen Medikamenten ist sehr riskant, wir können davor nur warnen“, sagt Schmidt, denn Nebenwirkungen und Suchtgefahr seien nicht zu unterschätzen. Bedenklich sei auch, dass die Bekanntheit dieser Form des Dopings am Arbeitsplatz immer mehr zugenommen hat. So wissen der DAK-Studie zufolge rund 73 Prozent der Bevölkerung, dass man bestimmte Medikamente auch als Gesunder einsetzen kann, um damit die Aufmerksamkeit zu verbessern oder Nervosität zu mindern.

Das Hirn-Doping ist inzwischen auch bei Otto-Normalverbraucher angekommen, um den Arbeitsalltag besser zu meistern, stellt die DAK in ihrer Studie fest.

Auslöser für den Griff zur Pille seien meist hoher Leistungsdruck sowie Stress und Überlastung. Männer greifen nach DAK-Erkenntnissen eher zu leistungssteigernden Mitteln, Frauen hingegen bevorzugen stimmungsaufhellende Medikamente. Hirn-Doping ist kein Phänomen in Führungsetagen. Laut DAK seien vor allem Beschäftigte mit einfachen und unsicheren Jobs besonders gefährdet. (kai)

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