Ausstellung im Landratsamt soll über Rechtsextremismus aufklären

Hinsehen, nicht wegsehen

Im Landratsamt wird die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung gezeigt. Bei der Eröffnung warfen unter anderem die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, Festspiel-Intendant Holk Freytag, Schauspielerin Maddalena Noemi Hirschal, der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth, Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt und Kreistagsvorsitzender Horst Hannich (von links) einen Blick auf die Tafeln. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. „Der rechte Sumpf ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, warnte Festspiel-Intendant Holk Freytag bei der Eröffnung der Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“, die noch bis zum 23. August im Landratsamt zu sehen ist.

Es sei die Aufgabe aller, jeder Form von Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten, die Menschenrechte zu wahren und sich für Freiheit und Demokratie zu engagieren, betonte Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt.

13 Info-Tafeln

Die Wanderausstellung ist eine Leihgabe der Friedrich-Ebert-Stiftung. Auf 13 Tafeln, die im gläsernen Übergang vom alten zum neuen Landratsamtgebäude stehen, sollen Jugendliche, aber natürlich auch Erwachsene für das Thema Rechtsextremismus sensibilisiert werden. Warum gefährdet dieser unsere Demokratie? Wo sind rechte Gruppierungen auch in Hessen aktiv und wie kann man selbst auf fremdenfeindliches Verhalten reagieren? Solche und weitere Fragen sollen in Wort und Bild beantwortet werden.

Dass die Ausstellung ausgerechnet in den Ferien gezeigt wird, sei mit Blick auf die jugendliche Zielgruppe ungünstig, räumt Kreis-Pressesprecher Michael Adam ein. Zu einem anderen Zeitraum sei die Leihgabe der Friedrich-Ebert-Stiftung allerdings nicht zu bekommen gewesen.

Auf die Grundlagen der heutigen Demokratie ging Holk Freytag in einer kurzen Rede ein. Als „geistiges Armutszeugnis“ bezeichnete er deren Auszehrung, zum Beispiel durch eine geringe Wahlbeteiligung oder politisches Desinteresse. Solches Verhalten öffne wiederum dem Rechtsradikalismus Tür und Tor. Dass Angst und Skepsis gegenüber Fremden durchaus aktuell und vorhanden sind, verdeutlichte Freytag mit einem kleinen, aber erschreckendem Beispiel. So habe am Rande der Festspiele, bei denen dieses Jahr viele Dunkelhäutige mitwirkten, eine ältere Dame gemeint, sie habe ja nichts dagegen, „aber müssen das denn so viele sein?!“

Für Gänsehautmomente und gespenstische Stille sorgte Schauspielerin Maddalena Noemi Hirschal, die bei den 63. Bad Hersfelder Festspielen als Anne Frank begeisterte. Sie gab Einblicke in die Welt der jungen Jüdin, die mit ihrer Familie der Verfolgung durch Hitler und die Nationalsozialisten ausgesetzt war und ihre Gefühle in einem Tagebuch niederschrieb.

Der Kreistagsvorsitzende Horst Hannich hofft, dass möglichst viele Bürger die Ausstellung besuchen, die zu den üblichen Öffnungszeiten des Landratsamts zu sehen ist.

Von Nadine Maaz

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