Osterjubel mit Bach im Schlusskonzert der Bachtage

Das Himmelreich in uns

Der souveräne Frankfurter Bachchor und die tschechischen „Musica Figuralis“ mit Karel Mitás (Violine), Rastislav Kozon (Oboe), Marta Neumannová (Blockflöte, Oboe) und Jens Amend (Orgel) an der Spitze begeisterten beim Abschlusskonzert der Bachtage unter der Leitung von Professor Siegfried Heinrich ebenso wie die Solisten Ida Aldrian, Tina Herrmann, Stephan Scherpe und Sebastian Wartig. Foto: Hartmann

Bad Hersfeld. Mit Liedern, Kantaten und Instrumentalem kehrten die Bachtage am frühen Ostersonntagabend zwar ins kirchenjahreszeitliche Leben zurück, und doch spürten selbst die dankbaren Besucher im nun nahezu gefüllten Bachhaus bei aller musikalischen Osterfreude den Wermutstropfen der Trennung von Bach und der Direktansprache seiner Musik, seiner Sänger und Spieler.

Weil es keine große Ostermusik Bachs gibt, musste Siegfried Heinrich im Schlusskonzert kleinteilig verfahren. Aber sind die Lieder aus Schemellis Gesangbuch („Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“, „Jesu, unser Trost und Leben“), sind die Orgelkonzertsätze aus den Altsolokantaten BWV 35 „Geist und Seele wird verwirret“ und BWV 169 „Gott soll allein mein Herze haben“ nicht entzückende Preziosen? Und verhalten sich die frühe Weimarer Kantate BWV 4 „Christ lag in Todesbanden“ (zum 1. Osterfesttag) und die Leipziger Kantate BWV 66 „Erfreut euch, ihr Herzen“ (zum 2. Festtag) nicht wie österliche Erzählung und die Aufforderung „…in sich selbst ein Himmelreich zu erbauen“?

Wer will schließlich den Brandenburgischen Konzerten die mitreißende bis triumphale Anmutung absprechen? Hier erklang das zweite F-Dur BWV 1047, und das Solisten-ensemble führte selbstverständlich die hohe Trompete an – in den Händen des ebenso spiel- wie stilsicheren László Borsódy aus Budapest.

Die heimliche Hauptakteurin der eineinhalb Stunden war indes die Wiener Altistin Ida Aldrian. Ihre Stimme versprüht das unverwechselbar fruchtige Timbre, die fast magische Registermischung und -verblendung wie auch die innige Gewalt und das lustvolle Temperament der jungen Brigitte Fassbaender. Die Grundaffekte der beiden Osterkantaten bestimmte sie nahezu im Alleingang. Die Schwäbin Tina Hermann (Sopran) sowie die beiden Ostdeutschen Stephan Scherpe (Tenor) und Sebastian Wartig (Bass) empfahlen sich als hoffnungsvoller und Bach-vertrauter deutscher Sängernachwuchs.

Sie alle integrierten sich löblicherweise in den souveränen Frankfurter Bachchor. Genauso löblich der gediegene Einsatz der tschechischen „Musica Figuralis“ mit Karel Mitás (Violine), Rastislav Kozon (Oboe), Marta Neumannová (Blockflöte, Oboe) und Jens Amend (Orgel) an der Spitze. Siegfried Heinrich bewies, dass er in der historischen Musizierpraxis genauso zu Hause ist wie in der traditionell-modernen. Zwei Sätze aus der Motette BWV 225 „Singet dem Herrn ein neues Lied“, dem Hohenlied des Chorgesangs, als Zugaben.

Von Siegfried Weyh

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