Kantaten und Motetten zum Abschluss der österlichen Konzerttage in Bad Hersfeld

Der Himmel lacht mit Bach

Bad Hersfeld. Wie inhaltlich und aufführungspraktisch durchdacht Prof. Siegfried Heinrich als künstlerischer Leiter die Internationalen Bachtage anlegt, erwies auch 2011 der abschließende Ostersonntagstermin im Johann Sebastian Bach-Haus. Nicht mehr das Ein-Werk-Programm oder die zyklisch gebundene Folge, sondern auf Haupt- und Nebenwegen ein Gang durch die Werkstatt Bach. Hier in sechs Schritten.

Den programmatischen Rahmen bildeten zwei in Text und Musik herausragende Kirchenkantaten, „Gott soll allein mein Herze haben“, die Alt-Solokantate BWV 169 zum 18. Sonntag nach Trinitatis, und „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“, die einmalig schöne Ostermontagskantate BWV 6 zur Emmausjünger-Thematik.

Dazwischen ein Rezitativ-Arien-Paar für Sopran, „Letzte Stunde, brich herein“ aus der Ostermontagskantate „Der Himmel lacht! Die Erde jubilieret“ BWV 31, dann die Motette „Lobet den Herrn, alle Heiden“ BWV 230, zwei Osterchoräle aus dem Schemelli-Gesangbuch („Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“ und Jesu, unser Trost und Leben“) sowie die Osterkantate für Tenor „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, einst Bach (BWV 160), längst aber seinem Hamburger Kollegen Telemann zugeschrieben.

Osterbunte Mischung

Auffällig für die Besucher ferner die osterbunte Mischung von Solisten (vokal/instrumental) und Chor, dazu die Festlegung auf alte Instrumente, gegen die die tschechischen Virtuosi Brunenses ihr modernes Instrumentarium eingetauscht hatten, was anfangs leichte Irritationen ergab. Bemerkenswert schließlich die feinfühlige Aufgabenzuweisung nach dem Leistungsstand der Sänger.

Ganz oben wie schon Ostern 2010 die Wiener Altistin Ida Aldrian mit der Silberpolitur ihres exquisiten Timbres, das nicht nur ein höchst individuelles vokales „Gesicht“ evoziert, sondern darüber hinaus die Klangfarben eines ganzen Orchesters in der Stimme. Wer singt den ausschweifenden Solopart von BWV 169 so fabelhaft inspiriert, so emotional beherrscht wie sie, die in Jens Amend mit dem konzertierenden Orgelpart einen gleich gestimmten, flexibel agierenden solistischen Partner hatte.

Daniela Haase (Berlin) nennt einen hoch zentrierten, federleicht schwebenden Sopran ihr Eigen, der die lichte Verklärung der „letzten Stunde“ makellos abbildet.

Stephan Scherpe, noch im Leipziger Gesangsstudium, gibt mit der Telemann-Kantate ein Versprechen ab auf künftige Tenorbrillanz, aber zarte. Florian Kressers Bassstimme neigt zum Heraustreten aus dem Fokus, braucht noch mehr vokale Linie. Alle vier stockten den Frankfurter Bachchor auf 25 Sänger auf, dem freilich als Kollektiv in der Motette BWV 230 mancherlei zum idealen Gotteslob fehlte: Notentext-Sicherheit, differenzierte Aussprache, feine Formung des Klangs – Proben eben.

Nennen wir noch die weiteren so charakter- wie verdienstvollen Instrumentalsolisten: Karel Mitas (Violine), Rastislav Kozoj, Martá Neumannová und Shogo Fujii (Oboe, Oboe d’amore, Oboe da caccia), Evá Nováková (Fagott), Dalibor Pimek (Violoncello), Michael Reich (Kontrabass) und Markus Fischer (Cembalo), der zweimal kurzzeitig mit dem Dirigenten Siegfried Heinrich die Plätze tauschte. Für viel Applaus gab es eine tropierte (mit Einschüben versehene) Choralstrophe aus der doppelchörigen Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ BWV 225 als Zugabe.

Von Siegfried Weyh

Kommentare