Da hilft nur die Ohnmacht

 „Der Kurschattenmann“ umgarnte in der Stadthalle die Damenwelt

„Der Kurschattenmann“ Ulrich (Jochen Busse), hier mit Edith (Ingrid Steeger), macht seinem Namen alle Ehre.

Bad Hersfeld. Mit dem Boulevard-Stück „Der Kurschattenmann“ von René Heinersdorff gastierte die „Komödie im Bayerischen Hof“ am Mittwoch in der ausverkauften Bad Hersfelder Stadthalle und präsentierte einen höchst unterhaltsamen Abend mit brillanten Schauspielern

Die Handlung ist schnell erzählt: In einer plüschigen Bad Pyrmonter Kurklinik treibt Ulrich, ein notorischer Hochstapler und Schürzenjäger, sein Unwesen. Nie um eine Ausrede verlegen, umgarnt er zwar dreist und aufdringlich, aber immer charmant gleichzeitig mehrere Damen, die dort ihre seelischen Probleme kurieren lassen.

Niemals Rechnung beglichen

Dabei gibt er sich mal als Architekt und Erfinder „wassertragender Säulen“ oder als Banker mit der „Lizenz für konvergente Ausgleichsfinanzierung“ aus und lädt seine Angebeteten großzügig zum Dinner ins beste Haus am Platz ein, ohne jedoch jemals die Rechnung zu begleichen. Dies überlässt er dann doch lieber seinen Auserkorenen, da er nur einen 500-Euro-Schein in der Tasche hat, den leider niemand wechseln kann. Erst als die ebenso schlitzohrige wie geheimnisvolle Oda in der Klinik erscheint, kommen ihm die Damen auf die Schliche und versalzen ihm mit einem ausgeklügelten Racheplan gründlich die Suppe. Während eines nächtlichen Rendezvous tauschen die allesamt rot gekleideten Damen jedesmal, wenn er sich umdreht, blitzschnell die Plätze und lassen damit Ulrich an seinem Verstand zweifeln.

Völlig von der Rolle rettet er sich schließlich in eine Ohnmacht. Als er aus dieser wieder erwacht, erblickt er Oberschwester Isabel, die ihn wirklich liebt und schwört ihr hoch und heilig, sie nie mehr zu belügen. Trotzdem ist es nur ein Happy-End mit Einschränkungen, dann kaum haben sich die beiden gefunden, erzählt er ihr unter dem Mantel der Verschwiegenheit, dass nicht Neil Armstrong, sondern er der erste Mensch auf dem Mond gewesen sei. Jochen Busse als ergrauter Schürzenjäger, Ingrid Steeger als naive Dauerpatientin Edith, Christine Schild als sexuell vernachlässigte Alice, Christiane Rücker als Oberschwester Isabel und Simone Rethel in der Rolle der geheimnisvollen Oda erwiesen sich als gelungene Besetzung, die mit ihrem schwungvollen Spiel locker die kleinen Schwächen des Stücks vergessen ließen.

Zweiten Akt fast verpasst

Für unfreiwillige Situations-Komik sorgte zwischendurch das Publikum. Kaum war der erste Vorhang gefallen, spurteten schon die ersten Zuschauer in die vermeintliche Pause, um die begehrte „Pole-Position“ an der Bar zu ergattern – und verpassten so fast den zweiten Akt.

Insgesamt ein mehr als unterhaltsamer Abend mit brillanten Schauspielern, für die es völlig zu Recht viel Applaus gab.

Von Thomas Landsiedel

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