Hersfelder missbrauchte Vertrauensverhältnis – Bewährungsstrafe

Hilflose alte Dame um 50 000 Euro betrogen

Bad Hersfeld. Weil er eine alte Dame um mehr als 50 000 Euro betrogen hat, verurteilte das Schöffengericht Bad Hersfeld gestern einen 52 Jahre alten Masseur zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Der Hersfelder hatte in den Jahren 2006 bis 2008 in insgesamt 110 Fällen mit der EC-Karte Geld vom Konto der Pflegebedürftigen abgehoben und größtenteils für sich verbraucht.

Nachdem der Angeklagte die Taten lange bestritten hatte, legte er vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab. Demnach hatte er die damals 68-jährige Frau 1999 durch physiotherapeutische Behandlungen kennengelernt und mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis zu der nach einem Schlaganfall bettlägerigen Frau aufgebaut. „Sie war wie eine Mutter zu mir“, schilderte der Hersfelder die Beziehung, in der er sich durch Besorgungen und andere Hilfsdienste hervortat.

Aus diesem Grunde gewährte ihm die Hersfelderin auch ein Darlehen über 12 000 Euro, das der mittlerweile von Hartz IV lebende Masseur für die Anschaffung eines fahrbaren Untersatzes benötigte.

Dass dieses Auto – ein gebrauchter Mercedes SLK – weniger beruflichen Zwecken als dem Renommee diente, wusste die alte Dame nicht. Auch war ihr nicht bekannt, dass ihr Bekannter seiner jungen brasilianischen Ehefrau in Bezug auf seinen finanziellen Möglichkeiten etwas vormachte.

So bediente sich der Hersfelder in der Folgezeit ebenso regelmäßig wie ungeniert vom Girokonto der Seniorin. Vom erschlichenen Geld leistete er sich sogar eine Brasilienreise und beglich die Handy-Rechnungen seiner Frau. Die wurden ihm schließlich zum Verhängnis: Weil die im März 2009 verstorbene alte Dame kein Handy besaß, wurde die zuvor eingesetzte Berufsbetreuerin stutzig.

Die Chance der Bewährung erhielt der erkennbar reumütige Angeklagte auch deshalb, weil er einem Vergleich zur Schadenswiedergutmachung zustimmte. hintergrund, zum Tage

Von Karl Schönholtz

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