75-Jähriger nach tödlichem Unfall vor Gericht – DRK sieht Trend

Hilfeleistung: Immer mehr schauen weg

Manfred Knoch

Hersfeld-rotenburg. Immer mehr schauen weg, wenn andere in Not sind. Das ist die Einschätzung von Arno Hagedorn, Leiter des Rettungsdienstes beim Kreisverband Hersfeld des Deutschen Roten Kreuzes. Manfred Knoch, Pressesprecher der Polizeidirektion Bad Hersfeld-Rotenburg, bestätigt diesen Trend. „Viele wissen nicht, wie sie helfen sollen,“ sagte Knoch, „und dann heißt es: Am Besten schnell weiter!“

Dabei geht es laut Arno Hagedorn in den wenigsten Fällen um medizinische Hilfe, sondern fast immer um moralische Unterstützung. „Dem Opfer oder dem Verletzten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte Beistand zu leisten, zu beruhigen oder mal die Hand zu halten, das ist das Wichtigste,“ sagte Hagedorn. Bei Bedarf würden er und seine Kollegen weitergehende Anweisungen auch gerne per Handy übermitteln.

Polizeisprecher Knoch begründet seinen Appell, bei Unglücksfällen eben nicht wegzusehen, mit einem Umkehrschluss: „Auch Sie können Opfer einer Straftat oder eines Unfalls werden und dann auf Hilfe angewiesen sein.“

Unterlassene Hilfeleistung war gestern auch Gegenstand eines Strafprozesses im Amtsgericht Bad Hersfeld. Angeklagt war ein 75-jähriger Busfahrer aus Haunetal, der sich am Rande eines schweren Verkehrsunfalles mit drei Verletzten bei einem Helfer lediglich erkundigt hatte, ob der Rettungsdienst verständigt sei. Gleich danach hatte der Schulbus seine Fahrt fortgesetzt. Weil das Ausmaß des Unfalls für den Haunetaler nicht eindeutig zu erfassen war und seine Unterstützung nicht konkret eingefordert wurde, wurde das Verfahren jedoch gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.  zum tage, hintergrund, lokalseite 3

Von Karl Schönholtz

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