Pro Familia und Sozialdienst katholischer Frauen informieren über vertrauliche Geburt

Hilfe für Schwangere in Not

Vertrauliche Geburt: Andrea Zentgraf vom Sozialdienst katholischer Frauen (links) und Maren Colton von Pro Familia sind gerne bereit Frauen zu unterstützen, die ungewollt schwanger sind und ihr Kind zur Welt bringen möchten, ohne dass das bekannt wird. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Schwanger – und niemand darf es wissen. Nicht wenige Frauen geraten in diese Situation. Rat und Hilfe finden sie in Bad Hersfeld bei den Beratungsstellen der Pro Familia und des Sozialdienstes Katholischer Frauen. Dort gibt es auch Informationen über die vertrauliche Geburt.

Vertrauliche Geburt bedeutet, dass eine Frau ihr Kind medizinisch sicher in einem Krankenhaus zur Welt bringen kann, ohne ihre Identität preisgeben zu müssen, erläutert Maren Colton von Pro Familia. Die Beratungsstellen informieren sie in vertraulichem Gespräch über alle Details. So hat die Schwangere zum Beispiel die Möglichkeit, ihren Namen und ihre Daten zu hinterlassen und auf Wunsch auch einen Brief an ihr Kind. Das kann dann mit 16 Jahren, wenn es möchte, herausfinden, wer seine leibliche Mutter ist.

Kind kann Herkunft erfahren

Schon bisher haben Krankenhäuser auch dann schwangeren Frauen geholfen, wenn sie die medizinische Unterstützung in Anspruch nehmen, ihre Identität aber nicht preisgeben wollten, sagt Andrea Zentgraf, die die Beratungsstelle des Sozialdienstes Katholischer Frauen in Bad Hersfeld leitet. Am Klinikum Bad Hersfeld habe es schon solche anonymen Geburten gegeben. Allerdings gab es dann keine Chance für das Kind, später etwas über seine Herkunft zu erfahren. Dieses Recht hat aber grundsätzlich jeder Mensch. Das Wissen um die Herkunft sei wichtig für die eigene Identität und bewahre das Kind vor einem Leben in Ungewissheit, erklärt Zentgraf. Diese Ungewissheit bleibe auch, wenn das Kind in einer Babyklappe abgegeben werde. Zudem blieben die Kliniken auf den Kosten für anonyme Geburten sitzen.

Nach der vertraulichen Geburt werden die Kinder in Adoptivfamilien vermittelt. Wie bei einem regulären Adoptionsverfahren haben die Frauen bei der vertraulichen Geburt die Möglichkeit, sich bis zum Abschluss des Verfahrens – das dauert in der Regel etwa ein Jahr – auch für ein Leben mit ihrem Kind zu entscheiden. Die beiden Beraterinnen wissen, dass sich das Angebot der vertraulichen Geburt an Frauen in ganz schwierigen Situationen richtet. Sie sind ungewollte schwanger und davon darf niemand wissen, weder der Partner, noch die Familie. Eine Abtreibung kommt für diese Frauen ebenfalls nicht in Frage. Oft haben sie zudem die Schwangerschaft verdrängt und erfahren selbst erst im fortgeschrittenen Stadium davon.

Frühzeitig kommen

„Für die Frauen ist es wichtig, möglichst frühzeitig zur Beratung zu kommen“, betont Maren Colton. Dann gebe es ausreichend Zeit für Gespräche und um alles in die Wege zu leiten. Die Beratung vor der Geburt ist so ausführlich und intensiv, wie die Frau das möchte, sie kann auf Wunsch auch nach der Geburt fortgeführt werden.

Mit hohen Fallzahlen rechnen die beiden Beraterinnen allerdings nicht. „Wir wollen ein weiteres Angebot für Frauen in Not machen“, sagt Andrea Zentgraf. In Fulda habe es seit Inkrafttreten des Gesetzes im Mai jedoch eine vertrauliche Geburt gegeben. Das Angebot, soll auch verhindern, dass verzweifelte Frauen ihre Kinder töten oder aussetzen. Hintergrund

Von Christine Zacharias

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