Elisabeth Savci aus Bad Hersfeld verteilte Kleiderspenden an Flüchtlinge

Hilfe für den Nord-Irak

Elisabeth Savci aus Bad Hersfeld (links) brachte Spenden in den Irak, um Vertriebenen zu helfen. Fotos: nh

Bad Hersfeld. Tief bewegt ist Elisabeth Savci, wenn sie von ihren Erlebnissen im Irak berichtet. Eine Woche lang war die Bad Hersfelderin im November vor Ort, um Kleiderspenden an die von den IS-Kämpfern (Islamischer Staat) aus ihrer Heimat vertriebenen Flüchtlingen zu verteilen und sich ein Bild über die Zustände vor Ort zu verschaffen.

Savci hatte im Sommer das Spendenprojekt „Save our Souls“ gestartet. Ab Mitte Oktober wurden dann Kleiderspenden in ganz Deutschland und Österreich gesammelt. Abgabestellen gab es auch in Allmershausen und Bebra.

Alle sieben Lkw mit insgesamt 140 Tonnen Kleidung fanden ohne Komplikationen ihren Weg in den Nord-Irak. Die 30-Jährige berichtet von ständiger Polizeipräsenz, die zwar bedrohlich wirke, aber eben auch zum Sicherheitsgefühl der Menschen gehöre. Als am Abreisetag eine Autobombe hochging, blieb Savci noch drei Tage länger. Vor Ort wurde die vierköpfige Delegation, der Savci angehörte, von einem Sicherheitsmann begleitet.

„Keine Christen mehr“

Das christliche Projekt wird von Deutschland aus zusammen mit der irakischen Hilfsorganisation Assyrian Aid Society koordiniert. Erste Verteilungsstelle war die Mother of Light Church in Erbil. Dort werden alle Flüchtlinge betreut, ungeachtet ihrer Religion. „Wir haben auch den letzten Erzbischof von Mossul, den ehemaligen Ninive, getroffen“, erinnert sich Savci. „Erstmals seit Bestehen des Christentums gibt es keine Christen mehr in Mossul.“

Mit Tränen in den Augen erinnert sich Savci an die große Gastfreundlichkeit: „Die Menschen haben in einer genauso modernen Gesellschaft gelebt wie wir. Jetzt haben sie nichts mehr.“ Sie berichtet auch von der Enttäuschung der Menschen, weil niemand militärisch eingreift: „Sie wollen nicht nach Deutschland fliehen“, erklärt Savci. „Die Menschen wollen ihr Zuhause zurück.“

Für das Projekt mussten die Menschen tabellarisch erfasst werden. So besitzt Save our Soul nun genaue Zahlen: Derzeit sind es etwa 170 000 Flüchtlinge im Nord-Irak. Neben warmer Kleidung für den harten Winter, konnte die Organisation 20 000 Euro übergeben, wovon einige Grundbedürfnisse, wie Nahrungsmittel und Medizin, gedeckt werden können. Doch die Aufnahmekapazitäten seien begrenzt und die irakische Regierung sei überfordert.

Besonders bewusst wurde der Bad Hersfelderin die harte Realität, als Frauen der Kirchengemeinde für den Sklavenmarkt entführt wurden. Problematisch für die versprengten Familien und traumatisierten Menschen sei auch, dass medizinische und psychologische Hilfe fehle.

Savci wird auch weiterhin Spenden sammeln und mit der Organistaion vor Ort in Verbindung bleiben, um zu klären, woran es am meisten fehlt. Sie steht bereits wieder in Kontakt mit Transportunternehmen für die Spenden.

Weitere Informationen: www.1915.de und auf Facebook unter https://de-de.facebook.com/1915.de

Von Sarah Rössing

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