Montagsinterview mit dem Koordinator der Generationenhilfe Stephan Wachsmuth

Hilfe für Jung und Alt

Aktiv für alle Generationen: Stephan Wachsmuth ist Koordinator der Generationenhilfe des Landkreises. Foto: nh

Hersfeld-Rotenburg. Der Kreis Hersfeld-Rotenburg ist eine von drei Modellregionen in Hessen in denen ein neues Projekt zur Seniorenhilfe erprobt wird: Die Generationenhilfe. Kai A. Struthoff sprach im Landratsamt mit dem Koordinator des Projekts, Stephan Wachsmuth.

Herr Wachsmuth, was verbirgt sich hinter dem etwas sperrigen Begriff Generationenhilfe?

Stephan Wachsmuth: Im Kern geht es darum, in den Städten und Gemeinden jüngere und ältere Menschen zusammenzubringen, damit sie sich gegenseitig unterstützen. Der Begriff Generationenhilfe mag sperrig klingen, aber er ist zukunftsweisend. Dadurch, dass wir immer weniger werden, müssen wir mehr zusammenrücken – deshalb Generationenhilfe.

Das ist mir zu abstrakt. Geben Sie doch bitte ein Beispiel.

Wachsmuth: Ein jüngere Mensch fährt mit einem älteren Menschen, der selbst kein Auto besitzt, zum Einkaufen. Oder Jugendliche erklären Senioren, wie Computer oder Mobiltelefone bedient werden. Ältere Menschen könnten im Gegenzug Kinderbetreuung oder Schulaufgabenhilfe anbieten.

Gegenseitige Hilfe ist doch eigentlich ganz selbstverständlich. Braucht es dafür einen eigenen Koordinator im Landratsamt?

Wachsmuth: Mein Job ist es ja nicht, derartige Hilfsangebote zu verordnen. Ich gebe vielmehr Impulse in die Städte und Gemeinden, um dort das Feuer für die Generationenhilfe zu entfachen. Wir sprechen mit den Bürgermeistern und ich suche auch den Schulterschluss mit den Pfarrerinnen und Pfarrern. Pröpstin Sabine Kropf-Brandau steht zu dieser Generationenidee. Ich versuche die politische und die kirchliche Gemeinde von der Idee der Generationenhilfe zu überzeugen.

Wie sind die Reaktionen?

Wachsmuth: Zunächst meist verhalten. Es wird oft gesagt, dass es doch selbstverständlich ist, dem Nachbarn zu helfen. Ich sage dann: Es ist gut, dass es diese Nachbarschaftshilfe noch gibt, aber wir können nicht davon ausgehen, dass das immer so bleibt. Deshalb sollen die vorhandenen Strukturen unterstützt, gefestigt, ausgeweitet und wieder bewusst gemacht werden.

Finden sich genug Freiwillige ?

Wachsmuth: Es entwickeln sich langsam Keimzellen in den Orten. Es entsteht Neugier. Viele Zaungäste kommen zu unseren einführenden Interessenten-Gesprächen, um zu erfahren, was wir eigentlich vorhaben.

Ist das Projekt etwas ganz Neues oder können Sie sich auf Erfahrungen stützen?

Wachsmuth: Glücklicherweise haben wir hier im Kreis schon zwei Leuchttürme: Die Bürgerhilfe Rotenburg e.V. die 2004/2005 gestartet ist, und das Projekt Mum – Menschen unterstützen Menschen – in Neuenstein – das speziell für den ländlichen Raum zugeschnitten ist. Gerade Bürgermeister Walter Glänzer und Pfarrer Michael Zehender sind für mich wichtige Impulsgeber. Ähnliche Projekte entwickeln sich in Ludwigsau und in Kirchheim. Die Bürgermeister Thomas Baumann und Manfred Koch sowie die Pfarrer Jörg Scheer und Philipp von Stockhausen lassen keine Gelegenheit aus, um für die Idee zu werben. Das ist wichtig, denn es geht nur mit Mund zu Mund-Propaganda. Auch Alheim und Schenklengsfeld werden zukünftige Standorte einer Generationenhilfe sein.

Wie ist die juristische Absicherung – etwa wenn ich mit einem Nachbarn im Auto fahre und einen Unfall habe?

Wachsmuth: Jeder Autofahrer ist ja ohnehin versichert, dieser Schutz gilt also auch für diese Fahrten. Wenn man einen Verein zur Generationenhilfe gründet, ist man auch darüber versichert. Ein Komplettschutz wäre jedoch für einen Verein zu teuer. Aber die Koordinierungsstellen drängen das Land Hessen, gemeinsam mit dem Sparkassenverband günstigere Konditionen zu ermöglichen.

Wenn ich mit meinem Auto unterwegs bin, kostet das Geld. Wird das erstattet?

Wachsmuth: Nein, es wird meist nicht erstattet. Ich empfehle ohnehin, so wenig wie möglich Geld ins System zu bringen. Besser funktioniert ein Punktesystem. Wenn man für Fahrdienste Punkte erhalten hat, kann man diese im Gegenzug beispielsweise mal für Schneeräumdienste einsetzen. Es geht darum, freiwillig hin und wieder etwas für jemand anderen zu tun. Das ist auch die Abgrenzung zum Ehrenamt, das immer eine gewisse Verpflichtung in sich birgt.

Man darf also nein sagen?

Wachsmuth: Genau, aber vielen fällt eben genau das sehr schwer. Deshalb soll dieses Modell der Hilfsbereitschaft gewisse Grenzen setzen. Ein anderes Phänomen ist, dass es auch viele Menschen gibt, die gar nicht bereit sind, Hilfe anzunehmen. Deshalb ist das Punktesystem so gut, denn die Hilfsbedürftigen müssen sich nicht schämen, weil der Helfer ja auch etwas für seinen Einsatz bekommt. 

Mehr Infos bei Stefan Wachsmuth, Telefon: 06621/879120 oder per E-Mail: Generationenhilfe@hef-rof.de

Kommentare