Aktionstag gegen Glücksspielsucht: Plötzlich waren die Protagonisten verschwunden

Hilfe mit Hindernissen

Wieder an ihrem Platz: Christina Heimeroth stellt die Schoko-Osterhasen mit Informationstafeln zur Glücksspielsucht auf der Rathaustreppe auf. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat die Fachberatung der Diakonie auf das Thema Glückspielsucht aufmerksam gemacht. In der Bad Hersfelder Innenstadt wurden über 100 Osterhasen mit Informationsschildern und Hinweisen auf die Beratungsangebote ausgesetzt. Der vorzeitige Auftritt der Langohren stand unter dem Motto „Probleme früh angehen“ und war Teil eines hessenweiten Aktionstages.

„Ist das nicht die falsche Jahreszeit?“ Kaum hat Christina Heimeroth die Schokoladen-Osterhasen auf dem Rand des Lullusbrunnens und auf den Standsteinblöcken des Rathausportals abgestellt, wird die Suchtberaterin der Diakonie schon von den ersten Passanten angesprochen.

Überraschungseffekt

Der Überraschungeseffekt der Kampagne gegen Glücksspiel, auf den die Initiatoren von der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS) gesetzt haben, scheint offenbar aufzugehen. „Da ist der Osterhase aber viel zu früh. Macht nichts, denn Probleme können gar nicht früh genug angegangen werden“, lautet das Motto. Seit dem Jahr 2009 gibt es zum hessenweiten Aktionstag immer wieder ungewöhnliche Aktionen. Etwas zu ungewöhnlich für Bad Hersfeld offenbar: Christina Heimeroth muss die Schokotiere an diesem Tag bereits zum zweiten Mal aufstellen.

Hasen verschwunden

Denn zum Fototermin um 9 Uhr ist von der eine Stunde zuvor aufgebauten Hasendemonstration nichts mehr zu sehen. Klarheit bringt die Nachfrage im Rathaus: Ein Mitarbeiter der Verwaltung hat die Hasen samt zugehörigen Textkarten eingesammelt. „Das machen wir bei unangemeldeten Aktionen im öffentlichen Raum immer, unabhängig vom Inhalt“, erklärt Stadtsprecher Meik Ebert. Unangemeldet war die Verteilaktion allerdings nicht – was sich aber offenbar nicht im gesamten Rathaus herumgesprochen hatte.

Man beobachte, dass die Spielhallenbetreiber verstärkt in die Innenstädte drängten, berichtet Ebert, während er die Schokohasen unversehrt in einer Plastikkiste an die Suchtberaterin aushändigt. „Der Anstieg von Glücksspielabhängigen ist besorgniserregend“, betont Christina Heimeroth. Etwa 60 bis 80 Klienten betreue die Bad Hersfelder Beratungsstelle im Jahr. Zunehmend handele es sich dabei um junge Menschen. Deshalb habe man auch die Modellschule Obersberg mit einbezogen. Dass nicht entschiedener gegen die Spielsucht vorgegangen werde, liege wohl auch daran, dass neben den Betreibern auch die Gemeinden profitieren. „Die Einnahmen aus der Spielapparatesteuer sind oft fest eingeplant“, verdeutlicht Heimeroth. Dabei habe die Abhängigkeitserkrankung weitreichende Folgen wie hohe Spielschulden, wirtschaftliche und soziale Notlage oder Arbeitsplatzverlust. Darunter litten auch Familie und Freunde. Oft seien es deshalb auch Angehörige, die durch den Aktionstag auf die Hilfsangebote der Fachstelle für Suchtprävention aufmerksam werden – etwa die Selbsthilfegruppe, die sich immer donnerstags von 19 bis 20.30 Uhr im Haus der Diakonie in der Kaplangasse 1 in Bad Hersfeld trifft.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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