Kiewer Knabenchor feiert Ostern mit Prof. Siegfried Heinrich und großem Publikum

Hier zeigen wir es euch

Der Kiewer Knabenchor brillierte am Sonntag im Bachhaus unter der Leitung von Siegfried Heinrich mit einer Bachmotette. Foto: Hartmann

Bad Hersfeld. Chorsänger wissen sich vom Großmeister Johann Sebastian Bach wahrhaft eingedeckt mit Kantaten, Messen, Oratorien, Passionen, Motetten. Besonders viele kleine Noten weist die Motette für zwei vierstimmige Chöre BWV 225 auf Verse aus den beiden letzten Psalmen auf: „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Da ergreift Bach also das Wort in höchsteigener Sache, als wolle er seinen Thomanern bedeuten: Hier zeige ich’s euch!

Hier zeigen wir es euch. Das war die Antwort des Kiewer Knabenchores „Dzvinochok“ (Glöckchen) auf die Annahme, solche Festmusik gehöre nur in die Kehlen mitteleuropäischer Chöre. Das Singen selbst in seinem physischen Eigenwert wird hier zur Botschaft. Ist der Singmotor dieser jungen Stimmen einmal angesprungen, dann läuft er traumhaft leicht, sauber, sanft und elegant durch alle motivischen Verflechtungen und kontrapunktischen Verfeinerungen, speziell des ersten Motettenteils mit der großartigen Fuge „Die Kinder Zion sei’n fröhlich über ihrem Könige“. Ein Genuss zudem, wie plastisch die Einsatzimpulse von Stimme zu Stimme springen und wie begeistert auch der Chordirektor Ruben Tolmachov und seine Assistentin Jana Bugaj im Bass beziehungsweise Sopran mitjubilieren.

Hohe Spielkultur

Es gab noch viel mehr zu bewundern in diesem zweistündigen Bachkonzert am Ostersonntag im voll besetzten J.S. Bach-Haus Bad Hersfeld. Auf das Grußwort des Magistratsvertreters folgten die Sinfonia mit konzertierender Orgel (Jens Amend mit hoher Spielkultur) aus der Kantate BWV 169, die komplette Kantate BWV 83 „Erfreute Zeit im neuen Bunde“, dann die Motette, das Brandenburgische Konzert Nr. 1 F-Dur BWV 1046 und schließlich die Kantate BWV 100 „Was Gott tut, das ist wohlgetan“, wiederum mit großen Choranteil. Ein exquisites Programm, das zum einen gestellt war auf das Prinzip des barocken Konzertierens (Wetteiferns) von Gruppen und Solisten, zum andern auf den Klang zweier Naturhörner, besonders in „Brandenburg Nr. 1“ historisch kundig und spielpraktisch versiert gehandhabt von Stephan Katte und Christian Dallmann.

Für Hersfelder Anlässe bildet die Musikhochschule Leipzig inzwischen ein ergiebiges Sängerreservoir. Alle vier Solisten kamen von dort und passten in puncto stimmliche Intaktheit, Ausbildungsqualität und künstlerisches Interesse harmonisch zusammen. Stephan Scherpe (Tenor) und Sebastian Wartig (Bass) bestätigten mit Wohllaut und Wendigkeit frühere Leistungen. Neu waren die Altistin Inga Jäger mit gelenkiger Koloratur und vorzüglicher Gliederung des Gesangsvortrags sowie die Sopranistin Amrei Rebekka Beuerle, von ihrer vokalen Ausstattung her eine Entdeckung: Ein lieblicher Grundklang ist überzogen von einem reizvoll schimmernden Timbre, vergleichbar einer edlen Metalllegierung.

Gigantisches Dreiländertreffen

Zuallerletzt: Man muss wohl mehr als 50 Jahre Kantoren- und Dirigententätigkeit verrichtet haben, um zu einem Anlass ein so gigantisches Dreiländertreffen im Zeichen Bachs zu arrangieren, denn auch die Virtuosi Brunensis aus Tschechien glänzten mit ihren gut ausbalancierten alten Holzblas- und Streichinstrumenten. Siegfried Heinrich jedenfalls brachte an diesem Nachmittag eine reiche musikalische Ernte wie selten ein.

Von Siegfried Weyh

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