Sparkasse Hersfeld-Rotenburg präsentiert CDs mit Mundart des Landkreises

Hier wird Platt geschwatzt

Sie schwatzten frei von der Leber weg: Die Mitwirkenden des Projekts der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg versammelten sich zur Vorstellung des Media-Buches, in dem es die Beiträge von 29 Mundartsprechern aus dem Kreis zu hören gibt. Foto: Pistor

Bad Hersfeld. „Platt ist keine Sprache, die geschrieben wird“ – mit diesem Wissen hat es sich die Sparkasse Hersfeld-Rotenburg zur Aufgabe gemacht, die regionale Mundart für die Nachwelt festzuhalten.

„Für die Berater der Sparkasse war es früher immer hilfreich, wenn sie Platt schwatzen konnten“, sagt Reinhard Faulstich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg. Heute werde jedoch kaum noch Mundart gesprochen. Dr. Manfred Wagner, der ehemalige Vorstandsvorsitzende, hatte daher die Idee, diese „Regiolekte“ aufzuzeichnen.

Werner Henkel und Regina Claus-Pankow suchten daraufhin in den vier Städten und sechzehn Gemeinden des Landkreises Hersfeld-Rotenburg nach Menschen, die das Platt noch beherrschen.

In Zusammenarbeit mit Tontechniker Jörg Hubl aus Bebra entstanden so 29 Sprechbeiträge von Menschen im Alter von 51 bis 91 Jahren. Entweder im Tonstudio, oder bei älteren Menschen direkt zu Hause, und zwar „kritzequerch durch die Gemeinde“, zwinkert Claus-Pankow.

Da wird zum Beispiel über Amerikaner gefeixt, die gegen einen getarnten Hydranten fahren, nach „Haferdungen“ gereist oder zu viel bei den Nachbarn „genispelt“ (gegessen).

Damit auch spätere Generationen, die der Mundart nicht mehr mächtig sind, die Inhalte der aufgenommenen Geschichten und Gedichte verstehen, sind die zwei Audio-CDs mit einem illustrierten Begleitbuch erhältlich, das Übersetzungen ins Hochdeutsche liefert.

Klapperndes Gebiss

Gestaltet wurde das Buch in einem Zusammenspiel aus Moderne und Tradition von Sabine Bachmann. Christian Kunert von Ekw-Design war für die Illustrationen zuständig. Lektor Axel Harnier gab dem Buch dann den letzten Schliff. Alle Mitwirkenden wurden von der Sparkasse mit einer Präsenttüte bedacht, die eine Ausgabe der Gemeinschaftsarbeit enthielt.

Der ehemalige Funker Erwin Walk („Baatsche Välde“) aus Bad Hersfeld gab seine Geschichte über ein klapperndes Gebiss in der Jackentasche zum Besten, und die Anwesenden zeigten, dass die Arten der Aussprache, auch regionale Klangfarben genannt, im Kreis kaum unterschiedlicher sein könnten. „Da frei von der Leber weg gesprochen wurde, mussten auch Teile im Tonstudio geschnitten werden, etwa Wortwiederholungen...“, erklärte Henkel und lachte: „Aber ‘galle’ haben wir natürlich dringelassen! Das gehört ja dazu, galle?“

Erhältlich ist das 60-seitige Media-Buch mit zwei Audio CDs von insgesamt eineinhalb Stunden Spielzeit in allen Sparkassenfilialen, telefonisch über das Kundenservice-Center unter 0800/6621850, im Internet unter www.spk-hef.de und in den Hoehlschen Buchhandlungen Hersfeld, Bebra und Rotenburg für fünfzehn Euro.

Von Christina Pistor

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