In die Bad Hersfelder Kläranlage wurde kräftig und sinnvoll investiert

Hier stinkt’s nicht

Die Messwerte immer weiter nach unten zu drücken, versuchen Martin Bode, Leiter des städtischen Abwasserbetriebs (links) und Michael Wolf, Betriebsleiter in der Bad Hersfelder Kläranlage. Fotos: Schönholtz

Bad Hersfeld. „Eine gute Kläranlage stinkt nicht,“ sagt Michael Wolf, Betriebsleiter der Abwasseraufbereitung in Bad Hersfeld, und tatsächlich muss man hier schon gezielt schnuppern, um typischen Fäkalgeruch in die Nase zu bekommen.

Dass das Klärwerk am Rande der Friedloser Straße auch objektiv nicht anrüchig ist, zeigen die Messwerte: Die für eine Anlage dieser Größenordnung zulässigen Grenzen werden um mehr als 50 Prozent unterschritten.

Mehr noch: Gezielte Investitionen der vergangenen drei Jahre konnten komplett mit der an das Land Hessen zu zahlenden Abwasserabgabe verrechnet werden, sodass die Stadt hier das Maximum herausgeholt hat.

„Die Schwierigkeit ist hier, nicht Geld auszugeben, weil Geld da ist, sondern so sinnvoll wie möglich zu investieren. Denn was nützen uns Verbesserungen, die sich unter dem Strich durch höhere Wartungskosten oder das Risiko von Störfällen niederschlagen?“, sagt Michael Wolf.

120 000 Euro Abwasserabgabe muss die Stadt jährlich für die Rückstände aus 3,5 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser bezahlen. Dieser Betrag errechnet sich aus der Menge der Schadstoffe, die die Anlage produziert.

Wird jedoch in neue Techniken investiert, die die Schadstoffe um bestimmte Prozentsätze verringern, dann zahlt man die Abwasserabgabe gewissermaßen in die eigene Tasche.

In Bad Hersfeld war dies im vergangenen Jahr beispielsweise eine neue Belüftungssteuerung mit sogenannter Fuzzy (Unscharf-) -Regelung für den biologischen Anlagenteil. „Darunter darf man sich allerdings keinen Schaltkasten mit Knöpfen und bunten Lichtern vorstellen, sondern das ist nur ein Computer-Programm,“ erklärt Wolf.

Die zweite Anschaffung war ein Schlammeindicker für die Schlammbehandlung in den Faultürmen, und die dritte Neuheit dient der Rechengutwäsche.

Rechengut sind all die vielen Dinge, die bei der mechanischen Reinigung hängenbleiben. Diese Hinterlassenschaften werden jetzt gewaschen, um daraus organische Nährstoffe für die biologische Anlage zu gewinnen. „Die müssten wir sonst teuer zukaufen,“ sagt der Betriebsleiter. Weiterer willkommener Effekt: Die Menge des Rechenguts sinkt durch die Wäsche um mehr als die Hälfte.

Allerdings: Weder die Computer-Software noch die neuen Gerätschaften sind von der Stange erhältlich. Deswegen verweist Martin Bode, Leiter des städtischen Abwasserbetriebs, auf das hohe Qualifizierungsniveau der Kläranlagen-Mannschaft, zu der neben Wolf und Abwassermeister Harald Gombert auch Elektrotechniker und Mechaniker gehören. „Wir bekommen für unser Geld keine fertigen Lösungen, sondern müssen die passenden Geräte ins System einbauen,“ erklärt Bode.

Und Michael Wolf bittet zur Bestätigung in den Keller der Schlammeindicker-Anlage: Geliefert bekam das Kläranlagen-Team nur die Maschine im Erdgeschoss, das raumfüllende System aus Rohren und Ventilen eins tiefer haben sich die Männer selbst entwickelt.

Von Karl Schönholtz

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