Festspiel-Paar: Barbara Goodman und Heinrich Cuipers sind D’Artagnans Eltern

Wer ist hier der Chef ?!

Barbara Goodman und Heinrich Cuipers spielen in „Die Drei Musketiere“ die Eltern von D’Artagnan. Den Mantel aus Vorhängen und der Jacke des Vaters, den das „alte Ehepaar“ dabei hat, schenkt die besorgte Mutter ihrem nach Paris ziehenden Sohn, während der Vater ihn ermutigt, keinem Gefecht aus dem Weg zu gehen. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Ein simples „Shut up“, und er weiß, dass alles gesagt ist. So erklärt Barbara Goodman, die im Stück „Die Drei Musketiere“ D’Artagnans Mutter spielt, schmunzelnd ihre Beziehung zu dessen Vater, gespielt von Heinrich Cuipers. Das ist aber natürlich nicht die ganze Wahrheit, wenn es darum geht, wer in dieser Ehe das Sagen hat. Er ist da ganz diplomatisch: „Jeder hat seinen Bereich, in dem er Chef ist.“

Bühnenpaar liebt sich

Einig sind sie sich jedenfalls in einem: Die beiden lieben sich. Wenngleich sie aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen; sie ist Britin, er Franzose. Britische Geradlinigkeit trifft auf französische Lebensart. Doch die Gegensätze verbinden das Paar auch, meinen Goodman und Cuipers.

Auch wenn es um den gemeinsamen Sohn geht, sind Mutter und Vater nicht einer Meinung. Sie ist besorgt um ihren Sohn, lässt ihn nur ungern ziehen und würde wohl alles für ihn tun. Aus Vorhängen und sogar der Jacke ihres Mannes näht sie einen Mantel für D’Artagnan, auch eine Salbe gegen Schmerzen gibt sie ihm mit auf den Weg nach Paris. Der Vater indes rät seinem Sohn, sich in jedes Gefecht zu stürzen und keiner Schlägerei aus dem Weg zu gehen.

„Er ist für seine Frau in der Gascoigne geblieben, anstatt in die weite Welt zu ziehen, und will nun wie viele Väter, dass der Sohn seinen Traum verwirklicht“, so Cuipers. D’Artagnans Mutter ist zwar häuslich, aber kein Hausmütterchen. „Sie hat Power“, stellt Goodman klar.

Darüber wie sie sich als Eltern D’Artagnans wohl kennengelernt haben könnten, philosophieren Goodman und Cuipers regelrecht. „Vielleicht bei der Weinernte oder einem Weinfest?“, schlägt Cuipers vor, und die Idee scheint auch Goodman gut zu gefallen. Auch dass die beiden eine romantische Liebe verbindet, ist für sie klar. Wobei sich eine gewisse Routine nach so langer Zeit sicher einschleiche.

Wie es ist, so lange verheiratet zu sein und noch dazu mit einem Mann aus einem anderen Land, das weiß Barbara Goodman, die in den USA geboren wurde, aus eigener Erfahrung. Sie ist seit über 30 Jahren mit einem Schweizer verheiratet. Cuipers hingegen kann da nicht mitreden, er ist nicht verheiratet und war es auch noch nie. „Aber wer weiß ...“, sagt er lachend. „Es fehlt einfach noch die richtige Kandidatin.“

T-Shirt als Geschenk

Kennengelernt haben sich Goodman und Cuipers übrigens im vergangenen Jahr an ihrem letzten Tag bei den Bad Hersfelder Festspielen. Vor allem Goodman erinnert sich daran noch gut, denn Cuipers schenkte ihr ein T-Shirt, das sie zuvor bewundert hatte. Dass sie in diesem Jahr gemeinsam als Ehepaar auf der Festspielbühne stehen würden, konnten sie damals nicht ahnen.

„Unser Eheleben findet jetzt immer eine halbe Stunde vor der Aufführung unter der Bühne statt“, berichtet Cuipers lachend. Denn dort müssen die beiden auf engstem Raum, aber gemütlich eingerichtet, ausharren, bis sie von dort aus durch eine Luke auf die Bühne klettern.

Ihr eigentlicher Auftritt dauert dann keine zehn Minuten – und doch reicht die kurze Zeit, um das Bild eines sich liebenden, seit vielen Jahren verbundenen Ehepaares zu zeichnen, das gleichsam aus zwei gegensätzlichen Charakteren besteht, die ein genervtes „Shut up“ jedoch nicht gleich entzweit.

Von Nadine Maaz

Kommentare