Siedlergemeinschaft Hohe Luft wird 75

Hier beginnt das Dorfleben

Fast wie auf dem Land: Richard Franz (links) und Reinhold Apel leben beide gerne in der Siedlergemeinschaft Hohe Luft. . Unser Bild zeigt sie mit alten Zeitungsartikeln, die das 75jährige Bestehen der Siedlung bezeugen, in der Königsberger Straße. Foto: Becker

Bad Hersfeld. Reinhold Apels Blick schweift über die Häuser der Siedlungsgemeinschaft Hohe Luft. „Alles kleine, feine Eigenheime!“, sagt er dann und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Der zweite Vorsitzende des Siedlervereins lebt seit nunmehr zehn Jahren hier und ist mit seiner Wohnsituation mehr als zufrieden.

Keine Kriminalität, nette Nachbarn, ein starker Zusammenhalt unter den Bewohnern. „Wo findet man so etwas heutzutage in Stadtnähe sonst noch?“, fragt er fast ein bisschen herausfordernd, ganz so, als müsse er die Siedlergemeinschaft gegen kritische Stimmen verteidigen.

Tatsächlich ist der Teil der Hohen Luft, in welcher die Häuser der Siedlungsgemeinschaft stehen, ein Fleckchen Erde, wie es idyllischer kaum sein könnte.

Es lässt sich wirklich nichts aussetzen an den schmucken Einfamilienhäusern, die mehrere Straßen zieren und jeweils über einen kleinen Garten verfügen. „So viel Platz hat man in anderen Wohngegenden nicht“, meint Apel. Seit 75 Jahren besteht die Siedlergemeinschaft Hohe Luft schon und vieles ist beim Alten geblieben. Gemeinnützigkeit wird weiterhin großgeschrieben, alle sind füreinander da, stehen füreinander ein.

Man hilft sich gegenseitig

Damals, nach dem Krieg, als Geld und Werkzeug knapp waren, lieh man sich gegenseitig Leitern und Spaten. Das sei in Zeiten, wo jeder Haushalt über eine Leiter verfüge, natürlich nicht mehr nötig, meint Richard Franz und lacht. Er ist mit seiner Frau erst vor zwei Jahren hierher gezogen, fühlte sich aber bereits von Beginn an wie zu Hause.

Heimat, das haben auch schon die ersten Bewohner der Arbeiter-Häuser vor 75 Jahren mit dem Gelände auf der Hohen Luft verbunden. Der soziale Wohnungsbau steckte zu diesen Zeiten noch in seinen Kinderschuhen. Wegbereiter in Bad Hersfeld waren die Firmen Braun und Rechberg, die für ihre Mitarbeiter Grundstücke kauften und ihnen ermöglichten, dort Eigenheime zu errichten. Zeitweise lebten in der Siedlergemeinschaft 135 Familien.

Diese Zahl ist den vergangenen Jahren jedoch stetig zurückgegangen. Reinhold Apel kann sich das nur schwer erklären. Es läge vermutlich am Desinteresse der jüngeren Generation, sich für eine Gemeinschaft einzusetzen.

Junge Anwohner fehlen

Richard Franz räumt allerdings ein, dass die Siedlergemeinschaft mit ihrem Vorsitzenden Uwe Reinhardt hauptsächlich Aktionen für betagtere Mitglieder veranstalte, denn an jungen Interessenten fehle es schlichtweg.

Dabei seien alle Anwohner bereit, auch Familien mit Kindern in ihren Kreis aufzunehmen, bekräftigt Apel. Auch als mögliches Zukunftsmodell zur Integration von Migranten eigne sich die Siedlergemeinschaft hervorragend.

Eines wird deutlich: 75 Jahre nach den Anfängen ist die Zeit für neue Ideen gekommen.

Von Hannah Becker

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