250 Dinge, die wir an der Region mögen (68): Das Backhaus in Hainrode

Hier backt das ganze Dorf

In Hainrode steht schon seit 1793 dieses kleine, schmucke Backhaus. Noch bis zum heutigen Tag können sich die Dorfbewohner hier ihr Brot selbst zubereiten. Foto:  Goßmann

Hainrode. Sanft steigt der Rauch aus dem Schornstein des schmucken Backhauses, wenn in dem beschaulichen, rund 60 Einwohner zählenden Dörfchen Hainrode Brot gebacken wird. Ganz urtypisch gart der Teig hier im Ofen, und nach circa einer Stunde Backzeit prüfen die Bäcker mit einem Klopfen an der Kruste den Fortschritt. Klingt es hohl, ist das Brot fertig.

Seit 1793 steht im kleinsten Ludwigsauer Ortsteil ein Backhaus und bis zum heutigen Tag wird hier auf traditionelle Art frisches Brot hergestellt. „In den 50er und 60er Jahren nutzte noch das ganze Dorf dieses Backhaus“, erinnert sich Willy Schmoll, der Zweite Vorsitzender des Hainröder Backhausvereins. Gerade am Samstag seien viele Frauen aus dem Ort zusammengekommen, um beim Kuchenbacken ein Schwätzchen zu halten. Der Backhausverein wurde 1999 gegründet, um die Traditionen des Brotbackens zu erhalten und das Wissen der alten Techniken an die jüngere Generation weiter zu geben. Mit Mitteln der Europäischen Union und der Gemeinde Ludwigsau sowie mehr als 700 Stunden Eigenleistung der Vereinsmitglieder wurde das Gebäude samt Backofen von Grund auf saniert. Nun hält der Verein seit mehr als zehn Jahren die Tradition des Backens am Leben, was auch auf überregionales Interesse stößt: Unter den rund 50 Mitgliedern sind nämlich nicht nur Waldhessen, sondern auch Menschen aus Göttingen, Baunatal und Münster. „Alles Freunde des traditionellen Backens“, betont die Erste Vorsitzende Herta Wolf.

Ein gutes Brot braucht im Grunde genommen nicht viel. Zu den Zutaten gehören lediglich Sauerteig, Salz, Wasser und Roggenmehl sowie eventuell Zwiebeln oder Körner. Dafür erfordert die Herstellung aber umso mehr Zeit.

„Schon am Vorabend muss der Teig vorbereitet und gesäuert werden“, beschreibt Vereinsbeisitzer Oskar Spitzer die Vorbereitung. Am nächsten Tag müssen die Bäcker in aller Frühe aufstehen, um den Ofen vorzuheizen. Zwei bis drei Stunden sind schon einmal nötig, damit die richtige Temperatur erreicht ist. Das Brennholz wiederum, welches die Vereinsmitglieder sich selber im Wald schlagen, muss ein Jahr lagern, bevor es zum Heizen geeignet ist.

„Die Bäcker brauchen viel Erfahrung, um zu beurteilen, wann das Brot fertig ist“, weiß Schatzmeisterin Martina Brand. Aber auch handwerkliche Kunst und viel Geschick sind nötig, um sowohl den fertigen Laib mit dem Holzschieber, auch „Haler“ genannt, in dem Ofen zu platzieren als auch später wieder herauszuholen, ohne es dabei zu beschädigen. Traditionelles Backen kostet also viel Zeit und Mühen, aber der Genuss des frischen Brotes, darin sind sich die Vereinsmitglieder einig, mache alles wieder wett.

Von Torsten Goßmann

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