Ärzte am Klinikum sind immer wieder mit Opfern konfrontiert

Hiebe statt Liebe: Hilfe für geschlagene Kinder

Hersfeld-Rotenburg. Hiebe statt Liebe – das gibt es auch für Kinder im Landkreis Hersfeld-Rotenburg allzu häufig. Und oft genug werden die Kinder bei den Misshandlungen durch ihre Eltern so schwer verletzt, dass sie in ein Krankenhaus zur Behandlung müssen. Genaue Zahlen kann Dr. Michael Zille, Vorsitzender des Ethik-Komitees am Klinikum, nicht nennen. Er geht jedoch von mindestens einem Fall pro Monat aus.

Für die Ärzte ist es immer eine schwierige Situation, wenn bestimmte Verletzungsmuster in Kombination mit phantasievollen Ausschmückungen der Eltern über das vermeintliche Unfallgeschehen den Verdacht nahe legen, das Kind könnte Opfer von Gewalt geworden sein. Denn schließlich sind sie an die ärztliche Schweigepflicht gebunden.

Mediziner dürfen jedoch, das machten bei einer Veranstaltung des Ethik-Komitees zum Thema Kindesmisshandlung sowohl Richter Hermann Eimer als auch Anette Kranz vom Jugendamt deutlich, Informationen weitergeben. Zum einen, wenn sie von der Schweigepflicht entbunden wurden, zum anderen aber auch, wenn dem Kind weitere Gefahren drohen. „Da ist jeder Arzt selbst zuständig“, machte Michael Zille deutlich.

Dass die Polizei auf Hinweise von außen angewiesen ist, um gegen Kindesmisshandlungen vorgehen zu können, betonte Doris Walter von der Kripo Bad Hersfeld. Diese Informationen kämen oft anonym, meist aber von Nachbarn oder aus der Familie.

Auch das Jugendamt arbeite mit der Polizei zusammen. Den Ärzten gab Doris Walter den Hinweis, dass sie die Arbeit der Polizei unterstützen könnten, wenn sie vor der medizinischen Versorgung die Verletzungen fotografisch dokumentierten.

Hessenweit habe die Polizei im vergangenen Jahr 445 Fälle von Kindesmisshandlung bearbeitet. Die Täter seien sowohl Männer als auch Frauen, gab sie zu bedenken. 2. Lokalseite

Von Christine Zacharias

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