Von Hexen und Hähnen

Kai A. Struthoff

Als guter Regisseur weiß Dieter Wedel natürlich, wie man Spannung erzeugt. Und so spannt uns der Festspiel-Intendant momentan ganz schön auf die Folter. Natürlich warten alle auf die Bilanz der letzten Festspielsaison. Genauso gern hätten wir gewusst, was im kommenden Jahr in der Ruine gezeigt wird.

Offiziell schweigt der Intendant aber wie ein Grab, und verweist auf Pressekonferenzen im Oktober. Doch in einer kleinen Stadt bleibt nichts lange geheim, schließlich wird hinter den Kulissen längst mit Volldampf an der neuen Spielzeit gearbeitet und viele sind involviert.

So pfeifen inzwischen selbst die Spatzen von den Dächern, dass im kommenden Jahr die bezaubernden „Sommernachtsträumereien“ in den Park vor der Ruine zurückkehren. Und auch die Wiederaufnahme des grandiosen Musicals „Cabaret“ steht fest. Das konnten Sie schon in der HZ lesen.

Neu ist, dass uns wohl eine „Hexenjagd“ in den alten Klostermauern erwartet: Der Intendant will Arthur Millers Theaterstück aus dem Jahr 1953 selbst inszenieren. Das Drama passt ja auch gut zu Wedels selbstgewähltem Oberthema Religion.

Gerungen wird indes noch um ein zweites Musical, dass ebenfalls aus den USA kommen sollte, allerdings nur in englischer Sprache aufgeführt werden darf. Ein Wagnis, das genau überlegt werden muss. Und die Oper? Da hört man derzeit nur diffuse Zwischentöne.

Wenig spannend ist leider der Bürgermeisterwahlkampf in Neuenstein. Vor einiger Zeit hatte ich Ihnen an dieser Stelle ein Wahlforum unserer Zeitung mit beiden Kandidaten angekündigt – doch das findet leider nicht statt. Der Herausforderer von Bürgermeister Walter Glänzer, der Landschaftsgärtner Dirk Buchenau aus Saasen, will nicht aufs Podium – das hat er mir jetzt mitgeteilt, nachdem die Redaktion lange erfolglos versucht hatte, den scheinbar vielbeschäftigten Mann zu erreichen. Schade!

Und auch ziemlich unverständlich, denn wo, wenn nicht bei einer solchen Diskussion, hat ein noch relativ unbekannter Kandidat die Chance zu punkten? Doch zwingen können wir Herrn Buchenau natürlich nicht. Wir haben Walter Glänzer daher angeboten, nur mit ihm eine Fragerunde zu machen, doch das erscheint dem Rathaus-Chef wie „Schattenboxen“. Irgendwie hat er da ja recht. Doch keine Sorge, liebe Leserinnen und Leser, wir werden den beiden Kandidaten natürlich auf den Zahn fühlen – nur eben leider nicht öffentlich, was sicherlich für alle viel spannender gewesen wäre.

Ein wenig gespannt war ich schon, als ich am Donnerstagabend als einziger Mann zu Gast bei 50 gestanden Landfrauen war. Die resolute Schriftführerin des Bezirksverbands hatte nämlich schon im Vorfeld angekündigt, dass sie mir am liebsten den Hals umdrehen würde, weil die HZ einige Berichte über die Aktivitäten der umtriebigen Frauen nicht veröffentlicht hatte. Nun, Sie merken es, ich habe überlebt, und wir hatten gemeinsam sogar einen vergnüglichen Abend.

Ich konnte hoffentlich ein bisschen Transparenz in die Arbeit der Redaktion bringen und erklären, warum manche Berichte gekürzt, verspätet oder ganz selten auch mal gar nicht erscheinen. Doch auch ich habe einiges über geballte Frauenpower gelernt. Über 1000 Frauen sind in unserem Kreisteil in 16 Ortsvereinen organisiert, die gemeinsam viel auf die Beine stellen und sich über neue Mitstreiterinnen freuen.

Als Mann darf ich bei dieser duften Truppe zwar nicht mitmachen, aber der Abend als „Hahn im Korb“ hat mir gut gefallen.

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