Erinnerungen an die Währungsumstellung

Bis heute an der Kette

Juri Auel

Schweißnasse Hände, puddingweiche Knie und ein Grummeln im Magen, wie ich es erst etliche Jahre später in der Mathe-Abiprüfung noch einmal spüren durfte. So stand ich am Bankschalter und nahm völlig von Adrenalin berauscht meine ersten Euros in Empfang.

Für viele Zehnjährige war dieser 17. Dezember 2001 ein ganz normaler Tag. Für mich jedoch war es ein Tag, den ich sehnlicher als Weihnachten und Geburtstag zusammen herbeigesehnt habe. Es war der Tag, an dem die Banken die ersten Euro-Münzen in kleinen Paketen, genannt Starter-Kits, verteilten.

Zu dieser Zeit war ich vollkommen im Euro-Fieber. Akribisch schnitt ich alle Zeitungsartikel über das neue Geld aus, sammelte Info-Broschüren und guckte mir Berichte im Fernsehen an.

So einen Geldwechsel kannte ich nur aus Erzählungen meiner Großeltern. Ein solch geschichtliches Großereignis selbst mitzuerleben - und dann auch noch mit dem Vorteil, dass man mit dem neuen Geld nicht nur in Deutschland bezahlen kann: Für mich damals schlicht und einfach faszinierend.

So erklärt es sich auch, dass die Plastiktüte mit den prägefrischen Euromünzen nicht lange heil blieb. Ich riss sie auf und nahm die funkelnden Metallplättchen genauestens unter die Lupe.

Und nicht nur das: Drei Metallbohrer ließen auf unserer Werkbank ihr Leben, bis mein Vater und ich durch den ersten Euro, den ich in meiner Hand hielt, ein Loch gebohrt hatten.

Fortan trug ich das gute Stück an einer Kette um den Hals. Bis heute schmücke ich mich gern mit unserer „neuen“ Währung.

Von Juri Auel

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