250 Dinge, die wir an der Region mögen (180): Der Inselteich

Das hessische Sanssouci

Die künstliche Insel liegt so romantisch inmitten der Natur, dass sie den Namen „Liebesinsel“ erhalten hat. Foto: Meyer

Wildeck. Der Teich, seine Ufer und die kleine Insel in seiner Mitte: Sie bilden zusammen ein lauschiges Fleckchen, so verwunschen, dass es recht leicht fällt sich vorzustellen, wie die Adeligen einst hierherkamen um zu „lustwandeln“, wie es heißt.

Inselteich heißt das kleine Gewässer im Wildecker Tal nahe Raßdorf, Liebesinsel das Stück Land in seiner Mitte, das nur über einen Holzsteg erreichbar ist. Entstanden ist es so: Im 18. Jahrhundert entdeckten die Fürsten der sogenannten Rotenburger Quart, einer gut 200 Jahre bestehenden Nebenlinie des Landgrafen-Hauses Hessen-Kassel, das Wildecker Tal als Ort ihrer Jagdleidenschaft. Landgraf Konstantin ließ hier ein repräsentatives Sommerschloss bauen und das Tal zu einer Parkanlage umgestalten. Sie soll so fantastisch gewesen sein, dass man sie auch hessisches Sanssouci nannte.

Romantischer Platz

Dazu gehörte auch der aufgestaute Weiher mit der künstlichen Insel, auf der, so ist überliefert, zehn Pappeln gestanden haben. So romantisch ist dieser Ort, dass der Name Liebesinsel naheliegt.

In ihrer Mitte steht noch heute ein rätselhafter, altarähnlicher Sandsteinblock von 1,35 Meter Höhe. Er ist mit einer herunterhängenden, naturalistisch gearbeiteten Bordüre verziert und trägt das Relief eines zweireihigen Kruges. Die eingemeißelte lateinische Inschrift ist kaum mehr zu erkennen. „Quam rapuit invida mors restituta“ lautet sie, und viel wurde darüber gerätselt. „Die der neidische Tod geraubt, ist wiederhergestellt“, lautet die Übersetzung. Zu früherer Zeit wird der Block eine Skulptur getragen haben, so Martina Selzer, die sich gut mit dem Wildecker Tal und seinen Schmuckstücken auskennt.

Die Hütte am See wird in den Sommermonaten bewirtschaftet. Abhängig vom Wetter hat sie nachmittags an den Wochenenden geöffnet. Dann stehen Tische und Stühle auf der kleinen Wiese und es gibt Kaffee und Kuchen.

Von Achim Meyer

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