In England erlebte Christiane Abel 1953 den Rummel um die Krönung und noch mehr

Mit Herzklopfen im Koffer

Bild für Bild ein Stück Erinnerung: 1953 reiste Christiane Abel nach England. Sorgfältig hat sie die Reise in Fotoalben dokumentiert. Nach anfänglichem Misstrauen schlossen sie und ihre Weggefährten Freundschaft mit den Engländern, die bis heute hält. Foto: Hornickel

bad hersfeld. Tassen, Servietten, Bilder und viele andere Dekorationsartikel schmückten die Läden in London, als Christiane Abel 1953 die Insel bereiste. Anlässlich der Krönungszeremonie von Elisabeth der Zweiten war das Angebot an königlichen Geschenkideen groß. „Man wurde überall damit konfrontiert“, schreibt die fast 90-Jährige in ihren Aufzeichnungen über die Reise. Würde sie heute, fast fünfzig Jahre später, wieder nach England reisen, würde Abel vermutlich erneut den „Kitsch im Überfluss“ sehen.

Wie damals präsentieren die Souvenir-Shops momentan eine Fülle an Dekorationsartikeln. Diesmal jedoch nicht mit einer angehenden Königin und ihrem Gemahl Prinz Philipp, sondern mit dem Hochzeitspaar Kate und William.

Mit 32 Jahren reiste die damals in Frankfurt wohnhafte Frau mit einer Frankfurter Stiftung nach England. Mitfiebern wird sie am 29. April jedoch nicht. „Ich bin zwar interessiert und informiere mich in den Medien, aber vor dem Fernseher werde ich nicht sitzen“, sagt Abel.

„Es war damals ja noch sehr merkwürdig ins Ausland zu reisen, so kurz nach dem Krieg“, sagt sie, „als Privatperson hätte man das fast nicht machen können, deswegen bin ich froh, dass ich durch die Stiftung die Möglichkeit hatte.“

Aufregung beim Zoll

Sorgfältig hat Abel ein Fotoalbum erstellt, das nicht nur eine Chronik der Reise ist, sondern auch ein Beleg eines bedeutenden Ereignisses unserer Zeit. Bild für Bild hat sie dokumentiert, was sie erlebte und vor allem, wer ihren Weg kreuzte.

„Was heutzutage nahezu selbstverständlich ist, war damals, auch abgesehen von der Krönungsfeier, etwas Besonderes“, erzählt Abel. „Beim Zoll hatte man noch Herzklopfen“, schmunzelt die 90-Jährige. Doch nicht nur beim Zoll, sondern auch als Deutsche im Ausland klopfte den Mitgliedern der Reisegruppe immer noch das Herz. „Dass wir aus Deutschland kamen, war nicht unbedingt das Erste, was wir sagten, wenn wir uns bei den Engländern vorstellten“, erinnert sich Abel. „Ein bisschen argwöhnisch trat man uns schon noch entgegen und wir merkten das Misstrauen der Engländer. “

Dennoch entwickelte sich eine tiefe und enge Freundschaft zu den englischen Gastgebern und Abel hat immer noch ständigen Kontakt zur britischen Insel. „Heute schreibe ich die Briefe nicht mehr aus Frankfurt, sondern Bad Hersfeld“, bemerkt sie lächelnd.

Von Frankfurt nach Bad Hersfeld kam die gebürtige Lauterbacherin durch die Festspiele. „Ebenfalls 1953 war es, als ich das erste Mal nach Hersfeld kam“, bemerkt Abel. „Es war herrlich: Das Wetter, die Ruine, die Schauspieler. Einfach die ganze Atmosphäre war so toll, dass ich für mich dachte, Hersfeld sei ein wunderschöner Ort zum Altwerden.“

Seit über 30 Jahren lebt Abel nun hier. Den „Hersfelder Alltag“ unterbrach sie immer wieder für Reisen. „Ich war schon immer ein wachsamer und neugieriger Mensch“, sagt Abel lachend. Diese Neugier sättigte sie mit Fahrten, ähnlich lang und intensiv wie die Englandreise.

Friedensbetonte Reise

„Dennoch ist und bleibt dieser Urlaub etwas ganz besonderes“, bemerkt Abel, als sie nochmal durch die Alben blättert. Es scheint als fielen ihr zu jedem Foto immer wieder Geschichten und Begegnungen ein: „Unsere Reise war friedensbetont, und das merkten unsere Gastgeber auch sehr schnell.“

Von Johanna Kaschik

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