Erhöhtes Risiko durch Rauchen und Bewegungsmangel

Herzinfarkt: Immer mehr Frauen betroffen

Hersfeld-Rotenburg. Die Zahl der Herzinfarkte bei Frauen steigt stark an. Das hat die AOK Hessen festgestellt. „Wir führen nicht Buch über die Zahlen, aber das ist eindeutig: Die Zahl nimmt seit einigen Jahren zu“, bestätigte auch Prof. Dr. Christian Vallbracht, Chefarzt am Herz- und Kreislaufzentrum in Rotenburg. Ein wichtiger Faktor sei das Rauchen. „Das ist das Schlimmste“, sagt Vallbracht. Dabei sei die Kombination mit der Pille besonders ungünstig.

Prof. Vallbracht erklärte, Frauen hätten bis zu den Wechseljahren einen gewissen Schutz, aber: „Danach holen sie auf.“ Besonders gefährdet seien diejenigen, in deren Familien bereits Herzinfarkte vorgekommen seien.

Der Mediziner rät den Frauen, es besser zu machen als die Männer. Das heißt: Verzicht auf das Rauchen und Bewegung seien das Wichtigste. Daneben spiele auch die Ernährung eine Rolle. Damit ein Herzinfarkt nicht tödlich verläuft, rät Prof. Vallbracht, Vorzeichen stärker zu beachten. Beschwerden der Frauen gingen oft neben denen der Männer unter. Zudem seien die Vorzeichen bei Frauen häufig andere als bei den Männern, weshalb die lebensbedrohliche Erkrankung oft erst spät erkannt würde. „Frauen sind ein Rätsel“, meinte der Mediziner.

Im Zweifel frühzeitig die Notrufnummer 112 anzurufen, rät Dr. Reinhard Funck, Chefarzt der Kardiologie im Klinikum Bad Hersfeld. Spätenstens drei Stunden nach Einsatz des Schmerzes müsse das Herzkranzgefäß wieder offen sein. Deshalb sei es ganz wichtig, die Symptome zu kennen und so schnell wie möglich Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Frauen rufen oft zu spät den Notarzt“, sagte Dr. Funck, sorgten aber bei ihren Männer dafür, dass diese frühzeitig ins Krankenhaus kommen. „Lieber einmal zu früh zum Arzt zu gehen“, empfiehlt Dr. Funck. Vermutet werde, dass Frauen Schmerz anders empfinden und anders mit ihm umgehen als Männer, dass der Schmerz sich aber auch anders äußert.

HINTERGRUND, ZUM TAGE

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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