HZ-Adventsporträt: Thekla Eick aus Bad Hersfeld hat Patenkinder aus Kathmandu

Ihr Herz schlägt für Nepal

Thekla Eick in ihrem mit Erinnerungen an Nepal geschmückten Wohnzimmer. In der Hand hält sie ihr Sparschwein für die Kinder und Jugendlichen, die sie mit dem Geld, das sie sammeln kann, unterstützt. Foto: Pistor

Bad Hersfeld. „Namaste“ – „Ich verbeuge mich vor dir“ begrüßt Thekla Eick ihre Gäste und trägt ein traditionelles Gewand: Die Kurta. Die Wohnung duftet nach fremden Gewürzen, in ihrem Garten wehen buddhistische Gebetsfahnen. Im Hintergrund spielt meditative Musik, Kerzen erhellen den mit vielen Erinnerungen aus Nepal geschmückten Raum. Auf dem Tisch steht sogar eine Uhr, die verrät, wie spät es gerade in der Heimat ihrer Patenkinder ist.

„Begonnen hat alles mit einem Buch des Bergsteigers Heinrich Harrer, in dem ich über das Land gelesen habe“, erinnert sich Thekla Eick zurück. Die 77-Jährige träumte seither davon, nach Nepal zu reisen und die fremde Kultur kennenzulernen. „Es ist eine andere Welt“, erklärt sie. „Die Menschen tragen das Herz im Gesicht, und so viel Respekt vor dem Alter habe ich sonst nirgendwo erfahren.“

„Sie haben eine Chance“

Thekla Eick buchte nach dem Tod ihres Mannes zum ersten Mal im Frühjahr 1998 eine begleitete Reise nach Nepal.

Sie bezog damals ein Hotel in Kathmandu, in dem sie ihr erstes Patenkind, den 22-jährigen Ram Bahadur Lama, kennenlernte. „Madame, warum kommen Sie nach Nepal? In Deutschland haben Sie es doch viel schöner“, sagte er bedrückt zu ihr. Ram erzählte, dass er als armer Bauernjunge gerade so über die Runden käme, und Eick beschloss, ihn finanziell zu unterstützen, ihm ein Studium zu ermöglichen. „Wer studiert, hat in Nepal eine Chance“, weiß die 77-Jährige.

Auf diese Weise lernte sie Rams ganze Familie kennen, die sie regelmäßig besucht.

Sie blieben über das Internet in Kontakt. „Als meine Kinder mir einen eigenen Computer schenkten, war ich überglücklich.“ Damit Ram sich ebenfalls ein Gerät kaufen konnte, sparte Eicks Yoga-Gruppe Geld.

Auf eigene Faust

Lang hielt sie es jedoch nicht zuhause aus: Im Herbst 1998 reiste sie erneut nach Kathmandu und stieg im selben Hotel, dem „Dolphin Guesthouse“, ab. „Alle waren überrascht, dass ich allein gereist war“, lacht Eick, „aber so kann ich das Land freier erkunden. Außerdem hatte ich immer die richtigen Leute um mich.“

Fortan reiste sie alle zwei Jahre nach Nepal, um ihre Freunde zu besuchen, das nächste Mal in 2000. „Dort traf ich in einem Restaurant einen sehr aufmerksamen Angestellten, der mir bei meiner Suche nach etwas Zitronengras weiterhalf.“ Dieser Angestellte war Madhusudan Kshetri, ein Waisenjunge, dessen sich Eick ebenfalls annahm.

Bald nannte man sie in Kathmandu nur noch „aama“: „Mutter“. Kshetri besuchte Deutschland gelegentlich und ließ sich 2008 schließlich in Bad Hersfeld von Pfarrer Karl-Heinz Barthelmes christlich taufen. Seither trägt er den Zweitnamen Gabriel. Kshetri lebt heute in Dubai und arbeitet für Mark Wilkinson.

80. Geburtstag in Nepal

Eicks drittes Patenkind ist der Waise Janak Pun, den sie ebenfalls in Kathmandu kennenlernte. Pun studiert derzeit Marketing.

Wer „Aama Thekla“ besucht, kann ihr Sparschwein mit etwas Geld füttern, das ohne Umwege in Nepal ankommt. „Ich sammele für junge Menschen. Einen Euro hat jeder, das tut niemandem weh“, weiß Eick. Sie hofft, ihren 80. Geburtstag wieder in Nepal feiern zu können. Weitere Informationen unter www.aama.de .

Von Christina Pistor

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