Gelungenes Familienprogramm zum Start der 50. Festspielkonzerte

Ein Herz für den Humor

Interessierte und fröhliche Gesichter gab es bei den Besuchern aller Altersgruppen beim Familienkonzert , das zum Auftakt der Festspielkonzerte am Samstag in der Stiftsruine stattfand. Foto: von Trott

Bad Hersfeld. Kindern, die unterfordert sind, wird es bald langweilig. Nichts davon am Samstag beim Startprogramm der Bad Hersfelder Festspielkonzerte 2010. Jedes der drei Stücke dieses Familienkonzerts formulierte seine musikpädagogische Anforderung anders: Mozart sein Divertimento F-Dur KV 522 als „musikalischen Spaß“, Sergej Prokofjew sein Märchenspiel „Peter und der Wolf“ op. 67 als eine zur Handlung verknüpfte Parade der Musikinstrumente und Haydn seine „Abschiedssinfonie“ fis-Moll als unübersehbaren „Wink mit dem Zaunpfahl“ an den fürstlichen Arbeitgeber.

Klar, das macht Kindern und Erwachsenen – an die 400 kamen in die Stiftsruine – Spaß, den Musikern ebenso. Wenn nämlich die falschen Töne (für die beiden Hörner in Mozarts Menuettsatz) schon in den Noten stehen. Wenn bei Prokofjew zu den lustigen Solobeiträgen ein richtiger Film im Kopf entsteht - Peter und seine Tiere, denen beim Spiel der Wolf auflauert, den sie dann aber listig einfangen. Oder wenn noch vor dem Ende der Haydn-Sinfonie die Musiker nacheinander aufstehen und sich verabschieden, weil sie, jedenfalls damals, an den fälligen Urlaub erinnern wollten.

Für die Musiker der Sinfonia Silesia aus Kattowitz in Polen ist das allsommerliche Gastspiel in Bad Hersfeld fast wie Urlaub, und deshalb servierten sie Mozart und Haydn auch gelassen, aber nicht ausgelassen, humorvoll, aber nicht derb, entspannt, aber nicht bindungslos. Im Gegenteil, Professor Siegfried Heinrich, der Dirigent und „Erfinder“ dieses erstklassigen Bildungsprogramms in Sachen Musik, achtete darauf, dass die Musik der Wiener Klassik immer auch etwas mitzuteilen hat von Spielregeln, Klangideen und von heimlichen Gefühlen, etwa durch die Seufzerfiguren in Haydns langsamem Satz.

Für „Peter und der Wolf“ gab es natürlich einen zusätzlichen Tonangeber und Denkanreger: Elmar Andree, den Erzähler. Er traf den passenden Ton, nicht vorlaut, nicht hinterhältig, sondern deutlich und mit sympathischer Einfühlung in Märchenhandlung und Kinderseele. Reichlich Beifall und Blumen. Nicht zu vergessen die Hoffnung, dass die Musik neue und neugierige Zuhörer gefunden hat.

Von Siegfried Weyh

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