Frauenbrunch im IkuZ: Betty Hoeß berichtet von ihrem Leben in Liberia

Das Herz an Afrika verloren

Iris Plass-Geißler eröffnet den Brunch, rechts neben ihr sitzt die Betty Hoeß, die über ihr Leben in Afrika berichtete. Foto: nh

Bad Hersfeld. Der letzte Frauenbrunch im IkuZ in diesem Jahr führte die mehr als 20 Teilnehmerinnen aus sechs Nationen auf eine beeindruckende Reise ins afrikanische Liberia und nach Ghana.

Iris Plass-Geißler begrüßte Betty Hoeß im afrikanisch dekorierten großen Saal des Interkulturellen Zentrums in Bad Hersfeld. In landestypischem Stil gemusterte Batiken, Ebenholzfiguren und von Betty Hoeß selbst gemalte großformatige Bilder schmückten die Wände, einige von ihrer afrikanischen Schwiegertochter selbst entworfene und genähte Kleider hingen auf einem Ständer als Anschauungsobjekte.

Liebenswerte Menschen

Nach dem Brunch-Büffet berichtete Betty Hoeß aus ihrem abwechslungsreichen Leben. 1972 wurde ihr Mann für ein deutsch-liberianisches Bergbauprojekt nach Liberia beordert. Betty Hoeß zog mit ihm in das ihr vollkommen unbekannte Land in einen kleinen Ort ohne Komfort, etwa 90 km von Monrovia entfernt. Sie selbst arbeitete dort als Erzieherin nur mit afrikanischen Kindern – mit Ausnahme von ihrem eigenen Sohn, der schon bald den Beinamen „weißer Afrikaner“ bekam.

Als 1980 in Liberia der Krieg ausbrach, war es an der Zeit, das liebgewonnene Land zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren. Die neue Arbeitsstelle ihres Mannes befand sich in Bad Hersfeld. Als ihr Sohn hier die erste Ampel seines Lebens sah, fragte er: „Sind die Götter auch mitgekommen?“

Betty Hoeß’ Sohn zog es nach Schule und Ausbildung nach Afrika zurück, wo er sich in Ghana niederließ und geschäftlich aktiv wurde. So pendelte sie ständig zwischen Deutschland und Ghana hin und her. „Mir sind die außerordentlich liebenswerten Menschen ans Herz gewachsen“, begründete sie ihre so zahlreichen Reisen.

Wie Mütter mit ihren Kindern bis zum dritten Lebensjahr umgingen, bezeichnete sie als beispielhaft. Leider sei es für die Mehrheit kaum möglich, das Schulgeld aufzubringen, oder eine staatliche Schule zu besuchen, weil dort mindestens drei Schuluniformen verlangt würden, die jedoch weitaus mehr als das Monatseinkommen eines Normalbürgers kosteten.

So müssen die Kinder dann später oft hart arbeiten und beispielsweise Steine klopfen, um zum Budget der Familie beizutragen.

Mit herzlichem Beifall bedankten sich die Zuhörerinnen für die vielen interessanten Anekdoten. Betty Hoeß versprach, sich an einem Afrika-Abend im nächsten Jahr im IkuZ mit einer Ausstellung neuer Bilder zu beteiligen.

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