Hersfelder Senioren drehen Runden im Riesenrad und bewundern ihre Stadt von oben

Spaß und ein wenig Angst

+
Sie haben ihre Stadt von oben gesehen: Anny Kaufmann (93 Jahre, links) und Elisabeth Most (78 Jahre) schweben mit dem Riesenrad 55 Meter über dem Boden.

BAD HERSFELD. Als Anny Kaufmann im Riesenrad sitzt sucht sie den Blick auf das „Fierche“ und erinnert sich. „Als Kinder hatten wir immer Angst, dass das Feuer ausgeht und unser Lullusfest dann nach Fulda geht“, erzählt sie. Ihre Kindheit liegt schon ein paar Jahre zurück – 93 Jahre ist die gebürtige Hersfelderin inzwischen.

Die Fahrt auf 55 Meter Höhe genießt sie sehr. Mit ihr sitzen noch Elisabeth Most (78 Jahre), Irmgard Hartmann (85 Jahre) und Ela Walz (80 Jahre) in der Gondel.

Sie alle gehören zu rund 60 Senioren, die der Einladung ins Riesenrad Bellevue gefolgt sind. Schon bevor die erste Fahrt startet ist den Senioren die Vorfreude, aber auch ein wenig die Aufregung, anzumerken. Zu Fuß, mit Rollatoren und in Rollstühlen sind sie zum Marktplatz gekommen. Als die Türen öffnen, drängen sie alle zu den schmalen Eingängen und werden von den Mitarbeitern des Riesenrades behutsam in die Kabinen gesetzt. „Es ist ganz toll, aber ich habe Angst“, sagt Irmgard Hartmann als die Gondel etwas schaukelt, und der Wind leicht durch die Ritzen pfeift. Die Fahrt beginnt.

Blick auf die Stiftsruine

Vollkommen entspannt sitzt hingegen Ela Walz in der Kabine. „Ich habe 20 Jahre als Kranfahrerin gearbeitet“, berichtet sie von ihrer Zeit in Russland und schmunzelt. Elisabeth Most stellt sich am höchsten Punkt der Fahrt sogar hin, um eine bessere Sicht zu haben. Sie bewundert die Stiftsruine und den Blick über den Markt. Nach der zweiten Runde ist auch bei Irmgard Hartmann die Anspannung vor der Freude über den tollen Ausblick gewichen. Als die 85-Jährige aussteigt schwärmt sie vom „schönen Überblick“ über ihre Heimatstadt.

Ronald Jan Loot, Leiter des Altenzentrum Hospital, weiß, wie viel Freude den Senioren diese Fahrten machen. Auch denen, die nur von unten zugeschaut haben. „Manche haben beim Anblick des Riesenrads Bammel bekommen und sind nicht eingestiegen“, sagt Loot, „doch auch die gehen jetzt mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause.“

Kommentare