Im Hersfelder Rathaus wird es immer einsamer

Kai A.

Obwohl das Lullusfest läuft, herrscht eine merkwürdig gedrückte Stimmung in der Stadt. Am Kirchturm wehen nicht wie sonst zu Lolls Fahnen – angeblich aus Sicherheitsgründen. Auch die Schausteller merken, dass etwas in der Luft liegt. Und beim HZ-Lolls-Presse-Schoppen gab es nur ein Thema: Wie geht es weiter mit Bad Hersfeld, der Stadtpolitik, den Festspielen, dem „wortreich“?

Zentrale Person aller Gespräche war natürlich Bürgermeister Thomas Fehling, um den es offenbar immer einsamer wird. Fast kann er einem leidtun, denn die Probleme werden immer drückender, und er kann sich schon lange nicht mehr hinter den vermeintlichen Altlasten von Bürgermeister Boehmer verstecken. Im Parlament hat er keine Mehrheit. Die Verwaltung, die seine Hausmacht sein sollte, kann er offensichtlich nicht auf seine Linie einschwören. Je lauter die Kritik wird, desto mehr beißt der Bürgermeister um sich und vergrault altgediente Stützen im Rathaus.

Eine davon war und ist unser Mister Lolls, Wilfried Roßbach, der glücklicherweise nach langer Krankheit wieder genesen ist. Die Schausteller, die ihn nicht nur respektieren, sondern ihn „mit seinem Sachverstand auch brauchen“ – wie mir einer von ihnen sagte – waren entsetzt über die „öffentliche Enthauptung“ des verdienten Mitarbeiters durch den Bürgermeister.

Immerhin, das scheint Fehling verstanden zu haben. Beim Lolls-Rundgang der Lullusfest-Kommission soll er sich bei Roßbach entschuldigt haben, und zur Versöhnung sind die beiden Autoscooter gefahren. Mr. Lolls soll weiter für das Lullusfest zuständig sein und Julia Scholz und Helge Assi einarbeiten.

Hier hat Fehling offenbar gerade noch die Kurve gekriegt – doch wo sind die Erfolge, die er angeblich aufzuweisen hat. Ein barrierefreies Bürgerbüro? Okay. Kita-Plätze? Das ist ja wohl eine gesetzliche Aufgabe, die von allen Kommunen bewältigt werden muss. Selbst der öffentliche Heiratsantrag, mit dem er Sympathiepunkte sammeln wollte, kommt bei den Herschfellern nicht gut an. „Er hat mein Heimatfest missbraucht für diesen Auftritt auf RTL-2-Niveau“, sagte mir ein empörter Mitbürger.

Dabei hätte Fehling die Gelegenheit gehabt, mit dieser Aktion sogar öffentlich-rechtlich zu landen. Doch als am Lollsmontag ein HR-Fernsehteam um ein Statement bat, soll der Bürgermeister den TV-Kollegen gesagt haben, er habe jetzt auch mal Feierabend.

Klug ist irgendwie anders.

Suchet der Stadt Bestes“ war immer das Leitmotto von Alt-Bürgermeister Boehmer. Thomas Fehling indes scheint bei dieser Suche mehr Orientierung zu brauchen. Im Interesse unserer Stadt kann man ihm nur wünschen, dass er doch noch den richtigen Weg findet.

Und wenn nicht? Dann hat der Bürgermeister immerhin seinen Schuldigen: die Presse.

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