Wahlanalyse: In der Kreisstadt wurden die Kandidaten tüchtig aufgemischt

Hersfelder Listen-Wirbel

Bad Hersfeld. Da stellen die Parteien und Bürgergruppen mit aller Sorgfalt und Bedacht ihre Listen auf, berücksichtigen, Berufe, Geschlechter und Stadttteile – und dann das: Die Wähler bringen mit ihren munter verteilten Kreuzchen alles durcheinander. So auch in Bad Hersfeld, wo der Einzug in die Stadtverordnetenversammlung ohnehin schon durch die Reduzierung der Sitze von 45 auf 39 erschwert wurde.

So kumulierten etwa die SPD-Wähler Dr. Thomas Handke bis auf die dritte Position – sein Listenplatz 14 hätte vorläufig nicht für einen Platz in der Fraktion gereicht. Genau andersherum erging es den beiden vorne platzierten jungen Damen Tabea Heipel und Anisa Tiza Mimun: Von Position 2 und 4 rauschten sie auf Nummer 8 und 10 – immerhin aber noch gewählt. Ebenfalls ein Aufsteiger ist Uwe Seitz aus Asbach: Von Platz 22 ging es hoch hinaus bis auf die 9.

Vergleichsweise pfleglich gingen die Wähler der CDU mit der Liste ihrer Partei um, da wurde nur ein bisschen getauscht und verschoben, aber nichts wirklich aufgemischt. Gunter Grimm rückte eins hoch auf den Spitzenplatz, während Stadtverbandschefin Silvia Schoenemann zwei Positionen abrutschte. Für Jan-Ulrich Saal ging es zwei hoch, für Günter Exner sogar drei.

Vier Sitze – zwei mehr als bisher – haben die Unabhängigen ergattert, angeblich wegen ihres Bürger-Engagements und nicht wegen ihrer fragwürdigen Haltung zur Flüchtlingsproblematik. UBH-Spitzenmann Hans-Jürgen Schülbe rutschte hinter Werner Kubetzko, der an Nummer zwei platzierte Hans-Joachim Dähn, der sich von der UBH schon vor der Wahl wieder losgesagt hatte, fiel konsequenterweise aus den vorderen Rängen.

Bei den Liberalen bugsierten die FDP-Wähler Rolf Malachowski gleich um fünf Plätze nach oben auf Nummer vier, das Spitzen Trio Bernd Böhle, Frank Berg und Björn Diegel blieb hingegen beisammen. Das gilt auch für die FWG: Hans-Georg Vierheller, Jürgen Richter und Karl-Heinz Jordan standen auf der Liste vorn und wurden so gewählt.

Bei der Neuen Bürgerliste NBL, die zwei von bisher fünf Sitzen verloren hat, hat die Auszählung der Einzelstimmen ebenfalls nichts Wesentliches verändert: Michael Bock, Uwe Kohlstädt und Jochen Kreissl behaupteten ihre Listenpositionen.

Gerd Hartung, bislang noch nicht in Erscheinung getretener Spitzenkandidat der Grünen, wurde zwar gewählt, musste aber den beiden bekannten Damen Antje Fey-Spengler und Nina Weise-Hübner Platz machen, die jeweils eine Position aufrückten.

Die Linke hatte bisher einen Sitz, hat wieder einen bekommen, und wieder ist Horst Zanger derjenige welcher.

Was die Gewählten aus dieser Situation machen – darüber lässt sich vorläufig nur spekulieren: Weder links noch rechts reicht es bei naheliegenden Bündnissen für eine Mehrheit, nur eine große Koalition von SPD und CDU sowie die „Ampel“ von SPD, FDP und Grünen käme auf 20 beziehungsweise 21 Sitze. Spannend ist auch, ob sich die UBH nicht selbst isoliert hat oder von den anderen isoliert wird.

Von Karl Schönholtz

Kommentare