Pfarrer Bernhard Schiller über vorletzte Dinge

Hersfelder Karneval

Pfarrer Bernhard Schiller, Katholische Kirche St. Lullus-Sturmius, Bad Hersfeld

Variantenreich ist die Erklärung des Wortes „Karneval“. „Dominica ante carnes tollendas“ nannte die Kirche früher den „Sonntag vor der Fleischenthaltung“. Die italienische Kurzfassung davon ist „carne vale“ und bedeutet „Fleisch, lebe wohl!“. Das lateinische „carrus navalis“ meint einen Kahn: Der Sage nach fährt die Frühlingsgöttin damit durch die Natur und lässt sie wieder erwachen. Eine ferne Erinnerung daran ist das Schifflein, das sich Berufskarnevalisten als Narrenkappe aufsetzen. Vor der zum Lebensrhythmus gehörenden Fastenzeit sollte noch einmal verjubelt und genossen werden, was das Leben hergibt.

Nicht nur im 1275. Jubiläumsjahr verknüpft die Stadt Hersfeld ihren Festjubel mit ihrem Gründer Lullus. Der Karneval findet hier gewissermaßen alljährlich in der Lullusfestwoche statt. Darin mag sich die Ahnung erhalten, dass es Beständiges gibt über das hinaus, was unabwendbar zu Asche verfällt. Lullus weist auf Gott, in die Ewigkeit, zur Quelle. Wer um die letzten Dinge weiß, ist in den vorletzten gelassener und kann über sie lachen. So muss Karneval nicht das verzweifelte Auftrumpfen vor dem sicheren Verfall des Fleisches sein, sondern will auf das zielen, was nach allem Leid kommt: Wenn zu Ostern der Tod ausgelacht wird, weil Gott stärker ist.

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