Werner Zuschlag macht ein Fass auf: Ein eigenes Engelhardt nach Originalrezept

Hersfeld trinkt sein Bier

Biergartenbetreiber Werner Zuschlag mit seinem Engelhardt-Bier. Die Kiste ist noch original. Der Flascheninhalt ist sozusagen eine typisch herb-süffige Rekonstruktion des Herschfeller Traditionsbieres. Foto: Hornickel

Bad Hersfeld. Im Hof des kleinen Verstecks am Marktplatz macht Hobby-Brauereidirektor Werner Zuschlag das originalgetreue Eisen heiß: Zur Krönung des eigenen Engelhardt-Bieres, das Zuschlag zum Lullusfest hat brauen lassen, drückt das Original handgefertigten Holzkisten den Stempel auf. „Branding“ würde das der Engländer nennen. Heimatliebe nennt Zuschlag das. Als erklärter Bewahrer der Hersfelder Brauerei-Tradition, die Mitte der 70er Jahre mit dem Abriss des Betriebes am Brink endete, macht Zuschlag ein neues Fass auf.

In Werneck bei Schweinfurth hat er in einer Privatbrauerei erst einmal 8000 Flaschen Bier brauen und in originalgetreue Bügelflaschen füllen lassen. Das Etikett ziert der charakteristische Katharinenturm, und auf der Rückseite ist bereits das Vorbild eines von Pferden gezogenen Brauereigespannes zu sehen, dass Zuschlag auch noch auf die Räder stellen will.

Ein Herz für die Tradition

Der Mann, der als Junge alle Produktionsbereiche der Brauerei Wilhelm Engelhardt vom Eisteich bis zum Treberlager noch kannte, hat sein Herz an die Hersfelder Brauerei-Tradition gehängt, die 1861 begonnen hatte.

Beim Patent und Markenamt in München hat sich Zuschlag als Herschfeller Jung vor zwei Jahren die Markenrechte am Engelhardt Bier gesichert, wie er sagt. Ein cleverer Schachzug, denn die frühere Binding-Brauerei hatte offenbar versäumt, die Wort- und Bild-Rechte an der Marke zu verlängern.

Seitdem ist der Weg frei für Brauerei-Fan Zuschlag, um den Besuchern des kleinen Verstecks das Bier anzubieten, das so feinherb und süffig ist, wie es die Verehrer des Hersfelder Traditionsbieres seinerzeit schätzten, als das Pils noch dort gebraut wurde, wo heute das Parkhaus am Neumarkt und das alte Schwungrad stehen.

Er habe acht Jahre lang in seiner Saisongastronomie ein Engelhardt-Bier verkauft, das nach und nach an fünf verschiedenen Standorten – unter anderem im Odenwald und im Allgäu – gebraut worden sei, berichtet Zuschlag und leitet damit zu seiner Idee eines urtypisch herschfellerischen Eigengebräus über.

Als das Bier den Gästen nicht mehr schmeckte, sei ihm unterstellt worden, er etikettiere ostdeutsches Billigbier um, schäumt Zuschlag. Da platzte Zuschlag der Kragen und er ließ sich nach Angaben des letzten Bad Hersfelder Brauereidirektors und dessen Braumeister sein eigenes Bier in Werneck brauen. Zu Lolls hat Zuschlag ein Pils und ein dunkles Bier am Start.

400 Kisten

400 Kisten hat Zuschlag als Umverpackung in der Schreinerei der Sozialen Förderstätten in Bebra zimmern lassen.

Die Kiste gibt er für 19,95 Euro ab. Eine Flasche kostet 2,50 Euro. Im nächsten Jahr plant Zuschlag im Verbund mit befreundeten Brauereien zwei Bierfeste. Und die Herschfeller sollen auch dann noch zum 1275. Stadtgeburtstag mit dem Bier der Herschfeller anstoßen.

www.engelhardt-bier.de

Von Kurt Hornickel

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