Stadt trennt sich von der Bremer Betreiberfirma Petri & Tiemann

Bad Hersfeld steuert im wortreich jetzt selbst

BAD HERSFELD. Wegen der wirtschaftlichen Schieflage des Mitmach-Museums wortreich trennt sich Bad Hersfeld von der Bremer Betreiberfirma Petri & Tiemann. „Die Fernsteuerung hat nicht funktioniert“, sagte Bürgermeister Thomas Fehling gestern vor Journalisten. Deshalb habe der Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, dass die Kreisstadt künftig selbst den Betrieb des wortreichs übernehmen wird.

ZUM T A G E

Bitte nicht verzetteln

KAI A. STRUTHOFF über die Krise im wortreich

Das wortreich ist ein tolles Museum, und wer einmal da war, wird das bestätigten. Aber leider waren noch zu wenige Besucher in der Ausstellung, um nah und fern von ihr zu schwärmen. Das muss sich ändern, um eine dauerhafte finanzielle Bürde für Bad Hersfeld zu vermeiden. Die Trennung von der Bremer Betreiberfirma Petri & Tiemann war deshalb ein folgerichtiger Schritt. Auch in Bremen selbst steckt die Firma mit ihrem Vorzeigeprojekt, dem Universum, in Schwierigkeiten. Die Besucherzahlen haben sich in den vergangenen Jahren auch dort fast halbiert. Jetzt gibt der Senat 437 000 Euro dazu, um zur Sanierung beizutragen. Fraglich bleibt, wie Petri & Tiemann mit ihrem Wirtschaftlichkeits- Gutachten derartig daneben liegen konnte. Von hanseatischen Kaufleuten darf man eigentlich seriösere Zahlen erwarten. Bad Hersfeld will deshalb auch Regressforderungen gegen die Bremer nicht ausschließen. Viel wichtiger aber ist, dass sich die Stadt zwischen Vitalisklinik und wortreich nicht verzettelt: Ein Rathaus ist nun mal keine Konzernzentrale. struthoff@hersfelder-zeitung

Der Aufsichtsratsvorsitzende Günter Exner sprach von einer „existenzbedrohlichen Lage“, die die Bremer Partner nicht in den Griff bekommen hätten. „Wir brauchen mehr Effizienz in der Gesellschaft“, erklärte Exner die Trennung von Petri & Tiemann, die im „gegenseitigen Einvernehmen“ erfolgt sein soll. Allein im laufenden Jahr fehlen rund 500 000 Euro für den Betrieb es wortreichs. „Das können wir nicht einfach so laufen lassen“, sagte Thomas Fehling. Gestern Abend sollten die Stadtverordneten über eine weitere Bürgschaft für das wortreich entscheiden. „Das Betriebsrisiko lag ohnehin immer bei uns, aber jetzt können wir mehr Einfluss nehmen“, erklärte Fehling. „Die Stadt steht fest zum wortreich.“ „Das wortreich ist ein Diamant, der jetzt noch feiner geschliffen werden muss, um seine volle Strahlkraft für die Besucher zu entfalten“, sagte Exner.
Fehling wird zunächst gemeinsam mit Kurdirektor Christian Mayer die operative Führung des Mitmach-Museums übernehmen. Hauptaufgabe wird dabei sein, einen auf die deutlich nach unten korrigierten Besucherzahlen zugeschnittenen Wirtschaftsplan zu erstellen. Dabei stehen dann wahrscheinlich auch Kündigungen bei den derzeit 24,5 Vollzeitstellen, die sich auf 40 Personen verteilen, an. Auch über Anpassungen bei den Öffnungszeiten wird nachgedacht. Petri & Tiemann waren in ihrem Gutachten von rund 120 000 Besuchern jährlich ausgegangen, tatsächlich sind seit der Eröffnung im Oktober 2012 rund 65 000 Gäste im wortreich gewesen. (kai)

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