Zweiter Arbeitsmarkt erleichtert die Gebietsreform der örtlichen Agenturen

Hersfeld soll Eschwege abgeben

Tobias Binder, IHK

Hersfeld-Rotenburg. Die sinkenden Arbeitslosenzahlen und die Vergabe des zweiten Arbeitsmarktes in die Hände von Optionskommunen sind Hintergrund für die geplante Fusion der örtlichen Arbeitsagenturen. Deren Zahl soll sich bundesweit schon im nächsten Jahr von momentan 176 auf 156 verkleinern. Das sehen die Pläne aus Nürnberg vor.

„Die machen uns noch kaputt.“

Klaus Stöcker, Kreishandwerksmeister

Hinzu kommen noch jahrzehntelange Forderungen von von Politikern und Gebietskörperschaften, die sich eine Deckungsgleichheit von Kreisgrenzen und Zuständigkeitsbezirken der Arbeitsverwaltung wünschen. Zumindest das wird jetzt erreicht. Die Agentur für Arbeit in Bad Hersfeld soll die Geschäftsstelle Eschwege und damit den südlichen Teil des Werra-Meißner-Kreises abgeben. Zusammen mit dem Nordteil untersteht dann dieses Kreisgebiet einheitlich der Agentur für Arbeit in Kassel. Das ist ein herber Verlust für den Zuständigkeitsbereich der Arbeitsagentur in Bad Hersfeld. Im Werra-Meißner-Kreis ist die Agentur für Arbeit auch weiter für die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger zuständig, nachdem dort die Bewerbung als Optionskommune fehlgeschlagen ist.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg dagegen widmet sich der Landkreis der Betreuung der Langzeitarbeitslosen, sodass hier gerade noch einmal 1000 Menschen ohne Job betreut werden. Auch in Fulda wird „optiert“ und es herrscht Minderbeschäftigung im Arbeitsamt. Matthias Oppel, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Bad Hersfeld, geht nicht davon aus, dass die geplante Fusion Auswirkungen auf die „Kundschaft“ der Arbeitsverwaltung haben wird. Wohl aber würden Stellen in der Führungsebene eingespart. Ob jetzt Oppel oder sein Fuldaer Kollege Waldemar Dombrowski Chef des neuen Amtes wird, ist völlig offen. Dem Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling kommt es vor allem darauf an, dass der Service für Arbeitssuchende und Chefs am Standort nicht leidet. “Wesentlich ist für uns, dass die Mitarbeiter der Agentur unsere Betriebe vor Ort kennen und so die Wünsche und Erfordernisse besser erfassen können“, sagt Kreishandwerksmeister Klaus Stöcker aus Bebra. „Durch die Verlagerung der Arbeitsagentur in den Nachbarkreis wird die Interessenvertretung für unsere Region weiter geschwächt.“ Stöcker selbst hat keinen Sitz im örtlichen BA-Verwaltungsausschuss. Diese Funktion hat Dirk Bohn, der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg, inne.

Als Nachteil empfindet Tobias Binder vom IHK-Service-Zentrum Hersfeld-Rotenburg die Bündelung der Arbeitsagenturen am Sitz in Fulda. Binder fürchtet um den ortsnahen Service für die örtlichen Betriebe. Die Orientierung an Kreisgrenzen folge allein den Interessen der Politik, nicht der Wirtschaft.

Von Kurt Hornickel

Kommentare