Neuer Gastarif der Stadtwerke macht’s möglich – Projektförderung in Brasilien

Bad Hersfeld heizt klimaneutral

Eine Keramikziegel-Fabrik in Brasilien soll vom neuen Gastarif „KlimaPlus“ der Stadtwerke Bad Hersfeld profitieren.

Bad Hersfeld. Die Stadt Bad Hersfeld heizt in sämtlichen großen öffentlichen Gebäuden ab sofort klimaneutral. Möglich macht das der neue Gastarif „KlimaPlus“ der Stadtwerke, den Geschäftsführer Peter Sobisch im Vorfeld der morgen beginnenden 1. Bad Hersfelder Energie- und Klimatage vorstellte.

„KlimaPlus“ stellt sicher, dass die beim Erdgasverbrauch entstehenden Kohlendioxid-Emissionen an anderer Stelle durch gezielte Klimaschutzprojekte wieder ausgeglichen werden. Der neue Tarif, der einen Aufschlag von 0,2 Cent je Kilowattstunde vorsieht, wird jetzt allen 8000 Gas-Kunden der Stadtwerke angeboten.

Über das auf Klimaschutz spezialisierte Partner-Unternehmen „First Climate“ wurden für Bad Hersfeld als Ausgleichsprojekt zwei Ziegeleien in Brasilien ausgewählt. Mit der Unterstützung aus Deutschland werden die Ziegelei-Öfen nun nicht mehr mit Baumholz aus den Wäldern des Amazonas befeuert, sondern mit Sägespänen und Acai-Samen von Palmfrüchten, die in der Region wachsen.

Vorreiter im Lande

„Dass wir ein Projekt in der Dritten Welt und nicht bei uns fördern, schreibt übrigens das Kyoto-Protokoll vor“, erläutert Guido Spohr, Klimaschutzbeauftragter der Stadt Bad Hersfeld. Mit dieser Initiative gehören die Stadtwerke zu den Vorreitern im Lande, denn bundesweit machen erst etwa 25 lokale Versorger mit.

Die Stadtwerke selbst bringen ihre drei Bäder, also „Aquafit“, „Kurbad Therme“ und das Geistalbad in die Rechnung ein, die Stadt laut Immobilenmanager Wilfried Roßbach ihre fünf Verwaltungsgebäude Rathaus, Stadtkasse, Stadtbibliothek, Ordnungsamt und Technisches Rathaus. Deren Gasverbrauch summiert sich auf jährlich elf Millionen Kilowattstunden, die nun über den neuen Tarif abgerechnet werden.

Und was kostet „KlimaPlus“ Otto Normalverbraucher? „Für den durchschnittlichen Familienhaushalt mit zwei Kindern bedeutet der neue Tarif bei einem Jahresverbrauch von 30 000 Kilowattstunden eine Mehrbelastung von sechs Euro im Monat“, rechnet Peter Sobisch vor. Der Stadtwerke-Chef rechnet zunächst mit etwa 100 Interessierten, die beim „KlimaPlus“ mitmachen. „Das wäre ein toller Erfolg, soll aber nur ein erster Schritt sein“, sagt Sobisch.

Vereinbarung abschließen

Wer den Klimaschutz unterstützen und auf „KlimaPlus“ umsteigen möchte, der muss mit den Stadtwerken eine Zusatzvereinbarung über den Preisaufschlag abschließen. Die Formulare werden in diesen Tagen versandt. Unter www.stadtwerke-hef,de gibt es zudem eine Online-Bestellmöglichkeit.

Von Karl Schönholtz

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