Lollsrede von Bürgermeister Thomas Fehling

In Bad Hersfeld geht es wieder rund: Das Lullusfest ist eröffnet

Bad Hersfeld. Mit dem traditionellen Fackelwurf haben Bürgermeister Thomas Fehling und der neue Feuermeister Klaus Otto pünktlich um 12 Uhr das Lullusfeuer entzündet. Bis zum kommenden Montag geht es in Bad Hersfeld jetzt wieder rund.

In seiner Lollsrede lobte Bürgermeister Fehling die Erfolge seiner bisherigen Amtszeit. „Wir haben zahlreiche Dinge erfolgreich auf die Reise gebracht, das macht Spaß und spornt mich an“, sagte Fehling dem vorab verbreiteten Redemanuskript zu folge. Gleichzeitig übte er scharfe Kritik an den Medien, die versuchten „mit schlecht recherchierten Behauptungen Stimmung gegen einige Fraktionen oder den Bürgermeister“ zu machen.

Zu den Erfolgen zählte Fehling vor allem die Bemühungen der Stadt um Barrierefreiheit, aber auch die neuen Kinderbetreuungseinrichtungen in Kalkobes und im Schilde-Park. Zudem verteidigte der Bürgermeister seine Haltung im Festspielstreit. Obwohl das Wetter und auch die Kritiken gut waren, seien die Besucherzahlen schwach gewesen, erklärte Fehling. „Da kann ich nicht anders. Ich muss den Mund aufmachen und die Handelnden in die Realität zurückholen“, sagte Fehling laut Redemanuskript. (kai)

Mehr über den Lolls-Montag lesen Sie morgen in Ihrer gedruckten Hersfelder Zeitung.

Lollsrede von Bürgermeister Thomas Fehling am 14. Oktober 2013

Werter Herr Feuermeister, sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Gäste aus unserer Partnerstadt L'Haÿ-les-Roses, mit der wir dieses Jahr unser 25-jähriges Jubiläum feiern, aus der Partnerstadt Šumperk und von unserem Patenschiff S 75 Zobel, die Patenschaft jährt sich dieses Jahr zum 40sten Male, liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Kinder, verehrte Gäste aus nah und fern!

Man mag es kaum glauben, aber das Jahr 2013 neigt sich auch schon wieder dem Ende zu. Wir Herschfeller merken es immer daran, dass unser geliebtes Lullusfest ansteht. Wenn ich in die Runde schaue und in die vielen leuchtenden Augen blicke, dann ist klar: Es ist Lolls-Montag und gleich geht es los.

Für unsere Stadt war es bisher ein spannendes Jahr. Es gab einige Turbulenzen und es ging teilweise recht stürmisch zu. Wir haben zahlreiche Dinge erfolgreich auf die Reise gebracht, das macht Spaß und spornt mich an. Und diese Erfolge lassen wir uns auch nicht klein reden oder mies machen, schon gar nicht von den Medien. Die Redakteure können noch so viele Pressemeldungen umschreiben oder in Kommentaren mit schlecht recherchierten Behauptungen Stimmung gegen einige Fraktionen oder den Bürgermeister machen.

Was hat sich denn konkret Gutes getan?

 Mit einer großen gemeinsamen, parteiübergreifenden Kraftanstrengung haben wir zwei neue Einrichtungen zur Kinderbetreuung in Kalkobes und auf der Hohen Luft fertiggestellt. Für den Neubau im Schilde-Park hatten wir vor zwei Wochen den ersten Spatenstich. Bad Hersfeld war in Sachen Kinderbetreuung schon gut und wird noch besser. Das zeigt sich auch darin, dass man nun die Anmeldung für einen Betreuungsplatz online im Internet vornehmen kann. Die Eltern brauchen also nicht mehr von Kita zu Kita pilgern, sondern können ihren Nachwuchs bequem von zu Hause anmelden. Ein weiterer Schritt in Richtung moderne Stadtverwaltung.

Bad Hersfeld wird barrierefrei – so lautet das Motto für 2013 Unter diesem Motto konnten wir zusammen mit dem Behindertenbeirat, den Organisatoren des Deutschen Behindertentages und anderen engagierten Personen und Vereinen einige wichtige Verbesserungen erreichen. Hier ein paar Beispiele: Wir haben den Zugang zur Martinskirche für Rollstuhlfahrer möglich gemacht und als Pilotprojekt die Behindertenparkplätze in der Breitenstraße blau markiert, damit sie noch besser erkennbar sind.

Und ganz besonders zu erwähnen: Wir haben in Bad Hersfeld endlich ein barrierefreies Bürgerbüro. Damit haben wir einen ganz wichtigen Schritt nach vorne getan. Wir haben eine Menge weitere Ideen und Anregungen von Ihnen bekommen, wie wir es weiter verbessern können. Da bleiben wir dran!

Passend zum Jahresmotto hatten wir in diesem Jahr beim Lollslauf zum ersten Male eine Kategorie Handbike. Herzlichen Dank an die Ausrichter und Teilnehmer. Und natürlich unser Festzug-Motto: „Alle machen mit, Lolls ohne Barrieren“ Wir haben festgestellt, dass wir in Sachen Barrierefreiheit einiges erreichen konnten. Aber es bleibt doch noch eine Menge zu tun. Deshalb lasse ich es auch für 2014 bei dem Motto: Bad Hersfeld wird barrierefrei.

Machen Sie mit, helfen Sie mit, Barrieren zu beseitigen!

Es stürmt immer noch ordentlich in Sachen Windkraft auf dem Wehneberg. Es gibt gute Gründe für und gegen den Windpark dort oben. Die Stadtverordneten haben sich mit Mehrheit dafür entschieden. So manche befremdliche Aussage und scharfes Vokabular von beiden Seiten war sicher der Hitze der Debatte geschuldet, sollte aber nicht zur Regel werden, wenn wir das freundliche Miteinander in der Stadt nicht gefährden wollen.

Wohin Politik über die Köpfe der Bürger hinweg führen kann, haben wir bei der Bundestags- und Landtagswahl gesehen. So manche Partei war und ist von den Ergebnissen geschockt; verdientermaßen, sage ich auch in Richtung des eigenen politischen Lagers.

Ämter sind kein Selbstzweck, sondern müssen dazu genutzt werden, für die Bürger Nutzen zu stiften. Und ob ein vorgeschriebener Veggie-Tag dazu gehört, sei dahingestellt.

Wie schnell sich eine gut gemeinte Idee ins Gegenteil wenden und den Bürgerprotest herausfordern kann, konnten wir kürzlich bei dem Versuch zur Umbenennung des Schilde-Parks erleben. Mit einem solchen Proteststurm hatte wohl kaum einer gerechnet. Sind wir gespannt, welchen Tornado das Signet des Windes noch entfacht.

Die diesjährige Festspielsaison begann mit einem grandiosen Konzert von Roger Hodgson, welches ich bestimmt nie vergessen werde. Noch nie wurde die Ruine so gerockt. Was für ein Erlebnis.

Unsere Festspiele haben wieder einmal die Gemüter mit dem traditionellen Konflikt - große Kunst gegen kleinen Geldbeutel - erhitzt. Trotz bestem Wetter und guten Kritiken waren die Besucherzahlen schwach. Da kann ich nicht anders. Ich muss den Mund aufmachen und die Handelnden in die Realität zurückholen. Für das nächste Jahr gibt es einen viel versprechenden Spielplan. Allerdings ist die Finanzierung noch nicht gesichert. Wo soll bloß das ganze Geld herkommen?

Auf dem Spielplan für 2014 steht Don Quijote. Welch Symbolik. Denn manchmal fühlt man sich als Bürgermeister sprichwörtlich wie ein Kämpfer gegen übermächtige Windmühlen. Man kann die Finanzlöcher gar nicht so schnell stopfen, wie andere neue aufreißen.

Eine große Freude für die ehemaligen Zuseaner und viele andere traditionsbewusste Hersfelder war die Heimkehr der Z22. Diese Maschine wurde 1959 in der Wehneberger Straße gebaut und hat nun ganz in der Nähe ihren Platz im wortreich gefunden. Unser Dank gilt allen, die sich hierfür engagiert haben.

Im wortreich wird es ab Mitte November eine weitere neue Attraktion geben. Dort können Sie einem echten 3 D-Drucker bei der Arbeit zuschauen. Wenn Sie mit dem Begriff „3 D-Drucker“ noch nichts anfangen können, dann müssen Sie unbedingt in Kürze ins wortreich kommen.

Menschen kommen und gehen. Und so ist es auch mit dem Feuermeister. In diesem Jahr habe ich einen neuen Feuermeister an meiner Seite. Unser Dank gilt Udo Roßbach, welcher die wichtige Rolle 12 Jahre mit sehr viel Elan wahrgenommen hatte. Er hat gestern Abend den Staffelstab, nein natürlich die Fackel, weitergegeben an Klaus Otto.

Lieber Udo, herzlichen Dank für Dein Wirken. Lieber Klaus, alles Gute für Deine neue Aufgabe.

Neue Gesichter, alte Tradition. Nach diesem Motto wollen wir in diesem Jahr auch die Lolls-Teufel-Verbrennung am Mittwochabend um 22 Uhr hier am Feuer wieder aufleben lassen.

Ein ganz besonderes Dankeschön geht auch in diesem Jahr an die vielen Ehrenamtlichen für ihren unermüdlichen Einsatz zum Wohle anderer.

Das alles zeigt: Bad Hersfeld ist eine lebendige Stadt. Hier pulsiert das Leben, hier bewegt sich viel. In der Mitte Deutschlands ist unsere Heimatstadt eine schöne und sehr erfolgreiche Kleinstadt geworden. Auf die wir alle sehr stolz sein dürfen.

Wie in den beiden letzten Jahren sehen Sie hier meine Kastanie für dieses Jahr. Mit dieser Kastanie verbinde ich den Wunsch nach Gesundheit und Wohlergehen für uns alle sowie nach einem feurigen aber friedlichen und unfallfreien Lullusfest. Lassen Sie uns gemeinsam feiern ohne Krawall und Schäden für andere.

Und nun, Herr Feuermeister, hören Sie:

Bürgermeister: Und warum hüten in treuer Hut Wir Tag und Nacht des Feuers Glut?

Feuermeister: Wie die Väter in Ehren Woll’n wir uns bewähren!

Bürgermeister: Das Feuer brennt mit hellem Schein, Was soll der Bürger Losung sein?

Bürgermeister und Feuermeister: Hersfeld, die Stadt, sie trägt im Schild, Ein Kreuz und einen Löwen wild. In Kreuz und Leid hab’ Löwenmut Und trau auf Gott, es wird wohl gut.

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